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Hartmut Bobzin (neu übertragen): Der Koran : Der Mensch ist nicht aus Tesafilm gemacht

  • -Aktualisiert am

Isolierte Aussagen nicht möglich

Die hypertextuelle Struktur des Textes macht es jedoch unmöglich, einzelne Aussagen zu isolieren. Nicht nur haben wir es nicht mit einem Buch im klassischen Sinn zu tun. Der Text bildet auch keine abgeschlossene Sinneinheit, sondern existiert sinnvoll nur in einem Verweiszusammenhang. Selbst die beste Übersetzung ist zwangsläufig Fragment, weil sie die Kontexte nicht oder nur begrenzt mitübersetzen kann. Der Hang zum Kommentar und zum Kommentar des Kommentars wie bei Bobzin erweist sich insofern nicht als bloße philologische Marotte, sondern spiegelt die potentielle Endlosigkeit des Hypertextes selbst. Dem Werbespruch „Jesus lebt“ kann der Islam mit vollem Recht das Motto „Der Koran lebt“ entgegenstellen.

Jede Zuschreibung wie jede Übersetzung ist daher eine Fortführung und ein Weiterschreiben. Und nicht nur der Koran schreibt sich so weiter, sondern ebenso die Übersetzungen, mitsamt den sich anlagernden Forschungen. Wenn von den deutschen Koranen daher einer vor den anderen empfohlen werden soll, dann falle die Wahl auf Bobzins Fassung. Nicht weil sie den endgültigen, nicht einmal weil sie endlich einen lesbaren deutschen Koran liefert, sondern als der traditionsbewussteste und bildungsbeflissenste Spross des knorpeligen deutschen Astes, der aus dem hypertextuellen Stamm des einzigen und ewigen arabischen Korans gewachsen ist.

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