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: Handlungsreise zum letzten Ziel

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Es gehört nicht viel dazu, den kanadischen Zeichner Gregory Gallant, der unter dem Pseudonym Seth arbeitet, zu einem der wichtigsten Illustratoren der letzten zehn Jahre zu ernennen. Die stete Präsenz, die seine in Farben und Linien wie aus den fünfziger Jahren herübergeretteten Bilder in nordamerikanischen ...

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          Es gehört nicht viel dazu, den kanadischen Zeichner Gregory Gallant, der unter dem Pseudonym Seth arbeitet, zu einem der wichtigsten Illustratoren der letzten zehn Jahre zu ernennen. Die stete Präsenz, die seine in Farben und Linien wie aus den fünfziger Jahren herübergeretteten Bilder in nordamerikanischen Zeitschriften bis hin zum "New Yorker" haben, ist Beleg genug dafür - auch wenn gerade diese mit größtem Selbstbewußtsein zum eigenen Thema gemachten Auftragsarbeiten in Europa fast unbekannt sind. Daß Seth aber nun mit seinen zwei großen Comicromanen ins Deutsche übersetzt worden ist, darf man einen Glücksfall nennen. Denn sie sind so amerikanisch in Sujet und Setting, wie man es sich nur denken kann.

          Das macht aber gerade ihre Stärke aus. Und das Erstaunliche an ihnen. Denn Seth, der in Ontario aufwuchs, ist mehr als die meisten seiner Kollegen aus den Vereinigten Staaten in den Genuß von europäischen Comics gekommen. Natürlich waren es vor allem französische, die über Québec ins Land kamen, und so konnte der 1962 geborene Gregory in seiner Kindheit die großen Klassiker der französischen Ligne claire kennenlernen: Hergés "Tim und Struppi", Edgar Pierre Jacobs "Blake und Mortimer", Jaques Martins "Alix". Dazu kamen die einheimischen Einflüsse aus Frankokanada: nahezu unbekannte Cartoonisten wie Albert Chartier oder Harry Mayerovitch. Und dann natürlich die große Tradition der amerikanischen Illustratoren wie Chas Addams oder Peter Arno, aber auch - wichtiger als alle anderen - Charles Schulz und seine "Peanuts". Der bedingungslose Liebhaber Seth hat gerade damit begonnen, seinem Idol Schulz ein publizistisches Denkmal zu errichten, indem er die neue Gesamtausgabe der "Peanuts"-Folgen buchkünstlerisch betreut. Der erste Band, vor einem halben Jahr erschienen, zählt zum Schönsten, was der amerikanische Buchmarkt jemals hervorgebracht hat.

          Von Schulz hat Seth die Beschränkung aufs Wesentliche gelernt, und vor allem die in unterschiedlicher Breite gehaltene Linienführung, die seine Tuschearbeit auszeichnet. Ihr gehen allerdings akribische Studien und Entwürfe voraus, die noch die kleinsten Details festlegen. Dementsprechend langsam zeichnet Seth. Seine 1991 begonnene Heftserie "Palookaville", in der er seine langen Geschichten in Fortsetzungen erzählt, ist bis heute gerade einmal bei der Nummer 16 angelangt, und die Publikationsabstände wachsen immer weiter. In der dritten Ausgabe hatte 1993 die dann sechs vollständige Hefte umfassende Comicgeschichte begonnen, die Seths Ruhm begründete: "It's a Good Life If You Don't Weaken". Als "Eigentlich ist das Leben schön" ist sie nun auf deutsch in einem Sammelband erschienen, zeitgleich mit "Clyde Fans", dem ersten Teil des neuen Projekts von Seth, das auch in Kanada noch nicht zum Abschluß gelangt ist.

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