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George R. R. Martin: Das Lied von Eis und Feuer : Jenseits der Eismauer lauern todbringende Geistwesen

Bild: Verlag

Im finsteren Mittelalter: George R. R. Martin setzt seine Fantasy-Saga „Das Lied von Eis und Feuer“ grandios fort. Darin folgt er der Dramaturgie von Computerspielen.

          5 Min.

          Eine Mauer aus Eis, dreihundert Meilen lang und mehr als zweihundert Meter hoch, fünf Bände mit mehreren tausend Seiten Umfang, obwohl zwei weitere Bände noch ausstehen - was George R. R. Martin erzählt, folgt eigenen Maßstäben, ebenso wie die Anlage seiner Romanreihe „Das Lied von Eis und Feuer“, deren bislang letzter Teil, „A Dance with Dragons“, seit gestern vollständig auf Deutsch erhältlich ist.

          Florian Balke

          Kulturredakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Vor anderthalb Jahren begann Random House die Reihe, die in Deutschland seit 1998 von den Lesern kaum bemerkt und vom Verlag gestalterisch unter Wert verkauft worden war, bei Blanvalet neu herauszubringen. Zum erfolgreichen Verkauf von mehr als 1,1 Millionen Exemplaren, befeuert von der Ausstrahlung der HBO-Serie „Game of Thrones“, gehört seitdem die Veröffentlichung der Originalbände in Teilen. Der vor einigen Wochen bei Penhaligon, einem weiteren Random-House Imprint, erschienene Band „Der Sohn des Greifen“ umfasst die ersten 499 Seiten von „A Dance with Dragons“, der seit gestern erhältliche Band „Ein Tanz mit Drachen“ bietet die restlichen 460. Beide Bände hat der Verlag auf rund achthundert Seiten aufgeblasen, die jeweils sechzehn Euro kosten. Dass das englische Original bei uns als einbändiges Taschenbuch derweil für knapp zehn Euro erhältlich ist, löst unter Fans nicht nur Begeisterung aus. Random House rechtfertigt den Aufschlag außer mit der Klappenbroschur, die den beiden neuen Bänden Zutritt zur Hardcover-Bestsellerliste verschafft, mehr schlecht als recht mit den hohen Papierpreisen und den Kosten der für die Neuausgabe überarbeiteten Übersetzung.

          Abenteuerlich sicheres Gespür für narrative Effekte

          Dass die früher im originalen Englisch belassenen Namen von Orten und Personen eingedeutscht worden sind, ist bei Lesern, die schon länger dabei sind, nicht unumstritten. Erst jetzt jedoch erreicht die Serie etwas von jener gefühlten Natürlichkeit der erfundenen Welt, die deutschen Lesern angelsächsischer Fantasy vertraut ist, seit Margaret Carroux in den sechziger Jahren aus Tolkiens Auenlanddorf Frogmorton das geniale Froschmoorstätten machte. Andreas Helweg übersetzt die neuen Bände flüssig, ohne Martins registerreichem Stil in jedem Augenblick gerecht werden zu können.

          Auch in der deutschen Fassung aber zeigen „Der Sohn des Greifen“ und „Ein Tanz mit Drachen“ Martins abenteuerlich sicheres Gespür für narrative Effekte. Tyrion Lennister, zwergwüchsiger Bruder der Königin, Vatermörder und verzweifelter Liebhaber einer Prostituierten, die ihn mit seinem Vater betrog und dafür sterben musste, findet sich jenseits des Meeres in der Stadt Pentos wieder, bei Illyrio Mopatis, dem fetten Kaufmann, der im ersten Band dabei half, die als Kind vor ihrer drohenden Ermordung ins Ausland gerettete Prinzessin Daenerys an den Anführer einer Horde von Reiternomaden zu verkaufen.

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