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: Frauen ohne Maulkorb

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Wieso weite Teile der lesenden Menschheit unentwegt nach Büchern der Marken Mord und Totschlag und Herz-Schmerz lechzten, wird auch in diesem Jahr unbegreiflich bleiben. Stichproben tragen am allerwenigsten zur Aufklärung des Phänomens bei. Immerhin: Alles, was man schon immer nicht übers eigene Geschlecht wissen wollte, erfährt man auf diese Weise so zuverlässig wie plakativ formuliert.

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          Wieso weite Teile der lesenden Menschheit unentwegt nach Büchern der Marken Mord und Totschlag und Herz-Schmerz lechzten, wird auch in diesem Jahr unbegreiflich bleiben. Stichproben tragen am allerwenigsten zur Aufklärung des Phänomens bei. Immerhin: Alles, was man schon immer nicht übers eigene Geschlecht wissen wollte, erfährt man auf diese Weise so zuverlässig wie plakativ formuliert. Katja Kessler, ehemals Zahnärztin, "Bild"-Kolumnistin und Formulierungskanone hinter Dieter Bohlens Autobiographie, hat sich auch in ihrem ersten richtigen Roman keinen Maulkorb angelegt. Zum Glück. Denn wäre da nicht die waffenscheinpflichtig bitterböse Zunge der Autorin, wäre die peinliche Geschichte von Aschenbrödel-Journalistin Lissie Lensen, die sich in einen offensichtlich gutaussehenden, weniger offensichtlich steinreichen Typen verguckt und mit ihm erst eine Nacht und in seiner Bugwelle dann ganz andere Abenteuer erlebt, nicht zu ertragen. In geringen Dosen und beißwütiger Grundstimmung lässt sich über die aufgekratzte Mischung aus den Standardreferenzen der Frauenmagazine ("Sex and the City", "Der Teufel trägt Prada" und das vermeintlich wahre Leben) aber durchaus schmunzeln, zumal Katja Kessler auch verbal mächtig aufdreht. Dass aber gerade solche Bücher, ganz wie die Frauen, die darin vorkommen, nicht dünn genug sein können, hat sie leider vergessen. (Katja Kessler: "Herztöne". Roman. Diana Verlag, München 2007. 414 S., geb., 19,95 [Euro].) fvl

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