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: Fernweh

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Als Leser von Reisegeschichten schwankt man häufig zwischen Neid, Fernweh und dem unangenehmen Gefühl, trotz aller Schwärmerei unbeteiligt zu bleiben. Alle drei Empfindungen könnten auftauchen, wenn ein Schriftsteller von seinen Sommern berichtet, die er seit Jahrzehnten auf Menorca verbringt. Es ...

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          Als Leser von Reisegeschichten schwankt man häufig zwischen Neid, Fernweh und dem unangenehmen Gefühl, trotz aller Schwärmerei unbeteiligt zu bleiben. Alle drei Empfindungen könnten auftauchen, wenn ein Schriftsteller von seinen Sommern berichtet, die er seit Jahrzehnten auf Menorca verbringt. Es zeugt von großem schreiberischem Geschick, dass bei Cees Nooteboom nur das Fernweh ab und zu auftaucht. Im ersten Teil hat er Geschichten aus dem Inselalltag aufgeschrieben: die selbstgepflanzten Palmen im Garten, die Katze, die den ganzen Winter über allein ist, und die Nachbarn, deren Sprache klingt wie "Blumentopfscherben, die man in einen Zinkeimer wirft". Dank seines lockeren Stils ist das unvergleichlich charmant. Die beiden anderen Teile handeln von Nootebooms zahlreichen Reisen und von denen, die er anhand seines Tagebuchs nachvollzieht. Da liest ein Mann von Mitte siebzig seine Aufzeichnungen als junger Kerl und findet sein junges Ich eher amüsant in dessen unbedingtem Willen, ernst genommen zu werden. An vieles erinnert er sich nicht mehr, von anderem kann er kaum glauben, dass er es damals nicht notiert hat. So entsteht eine feine ironische Distanz, die die Berichte zu etwas Besonderem macht. (Cees Nooteboom: "Roter Regen". Erzählungen. Aus dem Niederländischen übersetzt von Helga van Beuningen. Zeichnungen von Jan Vanriet. Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2007. 240 S., geb., 19,80 [Euro].) bähr

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