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Felicitas Hoppe: Hoppe : Eine ganze Horde von Stieren bei den Hörnern gepackt

  • -Aktualisiert am
          5 Min.

          Es wurde auch Zeit. Lange haben die Leser darauf warten müssen, die Wahrheit über Felicitas Hoppe zu erfahren, diese geheimnisvolle Gestalt, die schattenhaft durch die deutsche Literatur der letzten Jahrzehnte geistert. Nun endlich wird der Vorhang gelüftet, und das verdanken wir niemand anderem als Felicitas Hoppe. Sofern sie existieren sollte. Zwar erklärt Wikipedia lakonisch: „Felicitas Hoppe, *22. 12. 1960 in Hameln, ist eine deutsche Schriftstellerin.“ Doch im Laufe der biographischen Spurensuche, die unter der Überschrift „Hoppe“ heute erscheint und mit diesem Satz eröffnet wird, bleibt von dessen Gewissheit nichts übrig.

          In Wahrheit nämlich ist Felicitas Hoppe aufgewachsen im kanadischen Brantford, als Tochter einer katholischen Klavierlehrerin aus Breslau und eines Vaters, der aber vielleicht nur ihr Entführer ist. Dank der Mutter spricht sie zwar fließend Polnisch, und auch andere Sprachen erwirbt sie spielerisch leicht, doch ihr vermeintlich vom Vater erlerntes Deutsch ähnelt wohl eher einer Phantasiesprache. Fehlerfrei Deutsch zu schreiben, hat Hoppe nie gelernt, aber gerade ihrer sprachlichen Unbeholfenheit wird der Charme ihrer Prosa entspringen. Schon die kleine Hoppe ist frühreif und hochbegabt. Noch vor dem ersten Buchstaben erlernt sie die Notenschrift, schon als Kind verfasst sie eigenwillige Erzählungen und Verse, darunter Gedichte wie Der Zauberberg und, ein einleuchtendes Sujet, Satan in der Hölle. Wirklich sensationell aber ist ihre Karriere als Eishockeyspielerin, als Musikerin und als Erfinderin, der wir den Leuchtpuck ebenso verdanken wie den leuchtenden Dirigierstab.

          Dass sie daneben auch als Schriftstellerin reüssiert, ist eine Folge ihrer romantischen Kinderliebe zu Sagen und Märchen, zu Königen, Rittern und Heiligen. (Man hätte ihr, auch wenn das hier nirgends erwähnt wird, sogar einen Ritterroman zugetraut.) Musik und Literatur verbindet sie in ihren großen Opern; an die Winzeroper „The merry vineyard“ erinnert sie sich, als wär’s ein Stück von ihr. Nur als Autofahrerin versagt sie gründlich, und aus der erhofften Dirigentenstelle in Adelaide wird so wenig wie aus der Liebe zu ihrem ersten Trainer, dem Eishockeystar Wayne Gretzky. 1974 schifft Hoppe sich mit ihrem rätselhaften Vater nach Australien ein; die letzten Lebensjahre verbringt sie in den Vereinigten Staaten, wo sie in den urbanen Kulissen von Las Vegas, mitten in der wüstenhaftesten Wüste, „die schönste und prächtigste Stadt der Welt“ wie eine Allegorie der Kunst erlebt, schöner sogar als Hameln.

          Zu den Geschichten erfindet sie auch die Autorin

          Hameln? Ja, Hameln. Denn schon in Kanada hat diese obsessive Phantastin für sich selbst eine Kindheit mit vier Geschwistern erfunden, in einer deutschen Kleinstadt namens Hameln. Seit sie in der Schulbibliothek in den „German Folk Tales“ die Geschichte vom Rattenfänger las, träumt Hoppe sich in die Stadt des „Pied Piper“ hinein, tritt in Rattenkostümen auf, sieht sich in ihrer Phantasie vor dem Hamelner „Hochzeitshaus“ stehen und gewinnt aus alldem Stoff für Geschichten. An die fingierten Geschwister schickt sie Briefe, die zur Keimzelle literarischer Texte werden und sich längst im Marbacher Literaturarchiv befinden. Einen ganzen Hoppekosmos phantasiert sie so zusammen, eine literarische Wahn- und Wunderwelt, die sie mit der ihr eigenen Energie der Realität aufzwingt.

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