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F.A.Z.-Romane der Woche : Spuren des Windes auf dem Meer der Selbstzitate

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Bild: Siehe Verlage

Guy de Maupassant begibt sich auf See, Jonathan Littell lässt sich nach Homs einschleusen und Karl Ove Knausgård kommt dem Leben erschreckend nah. Dies und mehr in den F.A.Z.-Romanen der Woche.

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          Guy de Maupassant begibt sich auf See, Jonathan Littell lässt sich nach Homs einschleusen und Karl Ove Knausgård kommt dem Leben erschreckend nah. Dies und mehr in den F.A.Z.-Romanen der Woche.

          Wenn man mit Franzosen über Guy de Maupassant spricht und erwähnt, dass man ihn für einen der größten Novellenautoren des Landes hält, dann erntet man nicht selten ein mitleidig-spöttisches Lächeln. Natürlich möchte niemand Maupassant den Rang eines der wichtigsten Autoren des neunzehnten Jahrhunderts streitig machen. Aber einen gewissen Überdruss an dessen Werk können viele selbst in noch jungen Jahren nicht verbergen, und auch, wenn sie dem guten Maupassant damit Unrecht tun, kann man sie doch verstehen. Seit Jahrzehnten werden Generationen von Schülern mit seinen Novellen beglückt, vor allem mit „Boule de suif“ und „Le Horla“, und natürlich auch mit seinem Roman „Bel Ami“ - auf Dauer aber ist kein literarisches Werk gegen den zersetzenden Ruf der Pflichtlektüre gefeit.

          So reduziert sich nicht nur in Frankreich, sondern auch hierzulande die Rezeption Maupassants nicht selten auf wenige, seine wichtigsten Werke. Von denen liegen dann zwar meist sogar mehrere Übersetzungen vor. Ganz überraschend ist es gleichwohl nicht, dass der Mare-Verlag in Hamburg in diesen Tagen ein Buch herausbringt, von dem selbst 119 Jahre nach dem Tod des Schriftstellers noch keine deutsche Fassung vorliegt. „Sur l’eau“, wie das schmale Werk im Französischen heißt, ist erstmals 1888 in der Zeitschrift „Les Arts et les Lettres“ abgedruckt worden, es gilt als einer von drei Reiseberichten, die Maupassant zwischen 1884 und 1890 verfasst hat: „Au soleil“, der erste dieser Berichte, erzählt von einer in der Hitze des Sommers unternommenen Reise nach Nordafrika; das zuletzt verfasste „La Vie errante“ handelt ebenfalls von einer über Italien führenden Schiffsfahrt nach Algier, Tunis und Kairouan. Während diese Texte aber beide damit beginnen, dass Maupassant seinen Überdruss an, um nicht zu sagen seinen Ekel vor Paris zum Ausdruck bringt, der so stark ist, dass er ihm keine andere Wahl als die Flucht aus der Stadt lässt, setzt „Zur See“ mit einem sehr ungezwungenen Bekenntnis ein.

          Ein Hybrid der Genres

          Dieses kurze Vorwort ist in seiner für Maupassant typischen Prägnanz so schön, dass es, auch wenn es beim Verständnis des ihm folgenden Textes mehr stört als hilft, hier doch in voller Länge zitiert werden soll: „Dieses Tagebuch“, heißt es da, „enthält keine interessante Geschichte und kein interessantes Abenteuer. Als ich im letzten Frühjahr eine kleine Kreuzfahrt entlang der Mittelmeerküste machte, habe ich mich damit vergnügt, jeden Tag aufzuschreiben, was ich gesehen und was ich gedacht habe. Kurz, ich habe Wasser, Sonne, Wolken und Felsen gesehen - anderes kann ich nicht erzählen -, und ich war einfach in Gedanken, wie man sie spinnt, wenn die Wogen einen wiegen, einlullen und hier- und dorthin tragen.“

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