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Emma Forrest: Deine Stimme in meinem Kopf : Andere hat er auch gerettet

  • -Aktualisiert am

Bild: Deutlick Verlag

Denkmal für einen Therapeuten: Die britische Journalistin Emma Forrest hat mit „Deine Stimme in meinem Kopf“ eine morbid fesselnde Geschichte über eine Krise und deren Überwindung verfasst.

          4 Min.

          Es wäre einfach, mit Colin Farrell zu beginnen. Der Schauspieler mit den traurigen Augen, der Herzensbrecher Hollywoods, hatte sich auch in die Journalistin und Autorin Emma Forrest verliebt und sie in ihn, einfach so, auf einer Parkbank, im Gespräch, da war sie noch jünger. Und sie danach einfach entsorgt. Und ja, natürlich gibt es diese hoffnungslos verkitschten Stellen, wo Emma Forrest ihm den Mond an ferne Drehorte schickt und er ihr wieder zurück und wo sie gemeinsam lange in den Regen schauen, bevor „er es tut. Und dann ist es das.“

          Emma Forrest lebt in Los Angeles. Sie interviewt Prominente, seit sie als Dreizehnjährige eine eigene Kolumne erhielt. Sie trank Kaffee mit Heath Ledger, dem jung gestorbenen Schauspieler aus „Brokeback Mountain“. Und so war ein Teil der englischen Presse nach Erscheinen ihres Romans „Your Voice in My Head“ 2011, wo sie das alles am Rande erzählt, ganz aus dem Häuschen. Eine Front gegen das Buch hätte von strengen Stimmen kommen können - „memory junk“, Erinnerungsmüll: von Kritikern in diese Ecke gestellt zu werden, davor graute Emma Forrest. Frauen, die von Zusammenbrüchen erzählen, geschehe das leicht, wenn sie nicht gerade Zadie Smith heißen oder Jackie Collins, sagt sie in einem Interview.

          Der Tod bringt das Schreiben in Gang

          Der dritte Risikofaktor für das mögliche Entgleiten dieser Geschichte über eine sehr kranke, sehr junge Frau, die Tabletten schluckt, um tot zu sein, ist der therapeutische Kontext. „Deine Stimme in meinem Kopf“ ist auch ein Denkmal für jenen Therapeuten, der Emma Forrest nach ihrem ersten Selbstmordversuch acht Jahre lang begleitet. Dann stirbt er, ohne seinen Patienten etwas von der Diagnose der schweren Krankheit gesagt zu haben - er hatte mit Heilung gerechnet. Sein Tod bringt hier das Schreiben in Gang. Heute, sagt die Autorin, schaue sie mit Empathie auf dieses Mädchen, das sie nicht mehr ist. Und so will man doch wissen, warum das so ist.

          Von dieser Verwandlung handelt das Buch. Und trotz aller Risiken ist es ein forsches Buch geworden, mit angenehm leichter Selbstironie verfasst. Emma Forrest erzählt, wie es trotz aller inneren Widerstände möglich ist, eine andere Haltung zu sich selbst einzunehmen; und welche Rolle „Dr. R“ dabei spielt und die professionell begleitete Arbeit an sich selbst.

          Therapeutisches Teilen

          Die erste Hürde muss sie bewältigen, als sie nach der Todesnachricht im digitalen Kondolenzbuch liest. Andere hat er auch gerettet! Das sei, als würde man plötzlich feststellen, dass man sein Lieblingsbuch teilt. Die Einträge anderer Patienten fließen in Emmas Geschichte mit ein wie Leitplanken eines Wegs, den parallel viele gingen, Suchtkranke, Missbrauchte, der ganze Diagnosekatalog. Kurze Botschaften, die Dankbarkeit formulieren. Niemand weiß viel über „Dr. R“, dieses Ungleichgewicht ist ja die Geheimwaffe jeder Therapie. Dass er am Ende des Buchs trotzdem als Mensch sichtbar ist und auch als Figur im Text so gut taugt, mag der offenbar gut funktionierenden therapeutischen Beziehung geschuldet sein. Vor allem aber Emma Forrests Sprache. Sie schreibt mit einer Gehetztheit, die etwas einfängt von dem exzessiven Mädchen, das sie damals war, neu in New York, wo ihre Verrücktheit „keinen Bezugsrahmen“ hatte, „weil alle meschugge waren“.

          Emma Forrest, 1977 in London geboren, wuchs in England auf, magnetisch angezogen vom Bild der ertrinkenden Ophelia, die sie täglich in der Tate Gallery beweinen ging, verschämt Chips futternd (und später wieder auskotzend). Da war sie dreizehn. Es dürfte egal sein, was autobiographisch ist und was hinzuerfunden. Die Geschichte dieses englisch-jüdischen Mädchens mit Kulturschock Amerika, das mit sechzehn vom Freund einer älteren Freundin beim Spazierengehen vergewaltigt wird, ist die Geschichte vieler Mädchen. Sie schweigt. Sie nimmt es nicht einmal ernst.

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