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Elsemarie Maletzke: Mit Jane Austen durch England : Den Kopf voller Hammelknochen und Rhabarber

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Bild: Verlag

In der Weltliteratur sind die Werke von Jane Austen bis heute die populärsten, und das nicht erst, seit sie von der Film- und Tourismusindustrie entdeckt wurden: Neue Taschenbücher erkunden Austenland auf Seitenpfaden.

          Lieblingsbücher sind wie alte Ferienorte, die man immer wieder gern aufsucht. Man kennt sich aus, geht die Wege wie im Schlaf, weiß schon an jeder Ecke, was sich dahinter zeigt, und freut sich jedes Mal, wenn sich die Erwartung prompt bestätigt. Die schönsten Abenteuer sind die vertrauten, da wir bei ihnen zuversichtlich sind, zuletzt nicht enttäuscht zu werden. Erholung bietet weniger der Reiz des Unbekannten als der Trost andauernder Beständigkeit. Wer wirklich etwas erleben will, greift daher zuverlässig nach dem Lieblingsbuch. Man fährt ja auch nicht unbedingt in Urlaub, wenn man befürchten muss, dass dort das Wetter schlecht, das Essen mäßig und die Betten dreckig sind. Das Grundproblem bleibt allerdings, dass wir das ursprüngliche Glück der Erstbegegnung, den eigentlichen Zauber des Entdeckens, auf diese Weise nie mehr finden können – wie alle Paradiese sind sie strikt verloren.

          Abhilfe liegt einzig darin, das altbekannte Feriengelände auch mal auf anderen Pfaden zu durchkreuzen und abseitige Wege zu erkunden. Wenn Lieblingsbücher Orte sind, dann können Lieblingsschriftsteller zu Kontinenten werden, oder gar zu Universen, in deren Weiten wir uns immer aufs Neue überraschen oder trösten lassen. Meistens aber ist der schiere Umfang eines solchen Werks klar abgesteckt und in manchen Fällen ziemlich überschaubar. Jane Austen beispielsweise: unerschöpflich wirkt die Welt ihrer Erzählkunst gerade dadurch, dass deren äußere Grenzen klar gezogen sind. Sie umfasst ein paar Ortschaften im Süden und Südwesten Englands, befasst sich mit Geselligkeiten und Alltagssorgen des Landadels um 1800, zeigt das Leben jener drei bis vier Familien von Stande, die das Sozialgeflecht ihrer Geschichten bilden, und ist dabei mit so gewaltiger und doch dezenter Sprachmacht ausgestaltet, dass sie in Wirkung und Erfolg sämtliche Schranken der Gesellschaft wie von Zeit und Raum hinter sich gelassen hat. Unter allen Werken der Weltliteratur sind Austens die bis heute populärsten – und dies nicht erst, seit sie von der Film- und Tourismusindustrie entdeckt wurden.

          Jugend- und Gelegenheitstexte

          Sieben Romane hat die Autorin zum Ende ihres kurzen Lebens abgeschlossen. Hinzu kommen zwei Romanfragmente sowie eine ganze Zahl an kleinen Jugend- und Gelegenheitstexten, zum Zeitvertreib verfasst und mitunter bei geselligen Anlässen im Familienkreis präsentiert, sowie zahlreiche Briefe. Sie selbst maß solchen Dingen offensichtlich keinen Wert bei und verwendete stattdessen umso mehr Sorgfalt auf die Überarbeitung ihrer Romanmanuskripte, an denen sie vor der Veröffentlichung lange feilte. Wir dürfen darin getrost ihrem eigenen Urteil folgen und uns an diese großen Texte halten, wenn wir je von den Abgründen der menschlichen Gefühlswelten, die unerwartet unter fein polierter Oberfläche aufbrechen, etwas ahnen wollen. Wer also den Geschichten und Geschicken Austenscher Figuren bislang nur auf der Leinwand folgte, tut gut daran, sich unbedingt als Nächstes den Romanen selbst zu widmen. Wer allerdings die Hauptpfade des Austenkontinents schon länger lesend kennt und sämtliche vertraute Felder vielfach ausgeschritten ist, mag sich gewiss gern auf kleine Randgänge einlassen, um das Bekannte einmal aus anderer Perspektive in den Blick zu nehmen oder wohl gar Neues zu entdecken. Hierzu laden eine Reihe aktueller Taschenbücher ein.

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