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: Eine Mundspülung namens Paris Hilton

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Da ist die Sache mit der Fischsuppe. Aus einem solchen Gericht hätte etwas werden können, selbst im deutschen Nobelrestaurant "Chez Max" in Paris, das eigentlich nur der Tarnung dient. Leider spielt die Fischsuppe nur eine untergeordnete Rolle. Denn der für seine Kayankaya-Krimis wie für seine Fähigkeit, ...

          Da ist die Sache mit der Fischsuppe. Aus einem solchen Gericht hätte etwas werden können, selbst im deutschen Nobelrestaurant "Chez Max" in Paris, das eigentlich nur der Tarnung dient. Leider spielt die Fischsuppe nur eine untergeordnete Rolle. Denn der für seine Kayankaya-Krimis wie für seine Fähigkeit, Spannung und Humor zu mischen, hochgelobte Autor Jakob Arjouni hat es sich partout in den Kopf gesetzt, einen politisch-provokativen Roman schreiben zu wollen, der obendrein so witzig sein will, daß er zugleich als Persiflage seiner selbst gelesen werden kann. Da muß es schon einen Bezug zum 11. September geben, und um weniger als eine neue Weltordnung darf es auch nicht gehen. Also läßt Arjouni seine Geschichte in einer nicht allzu fernen Zukunft spielen, genauer im Jahr 2064, dem Jahr, in dem, zu allem Überfluß, der Autor selbst, 1964 in Frankfurt geboren, hundert würde.

          Schon das erste Kapitel ist recht zäh und voller Klischees, über die man kaum lachen kann. Da gibt es, wir befinden uns schließlich in der Zukunft, etwa das "neueste Eurosecurity-Einsatzmobil", das nicht nur wie ein "riesiger tropischer Käfer" aussieht, sondern auch noch auf den schönen Namen "BoWaLu" getauft wurde, was, weil es fahren, schwimmen und fliegen kann, soviel heißt wie Boden, Wasser, Luft. Gut, gut, das erinnert an doofe Zukunftsbedrohungsszenarienschnulzen,aber deshalb muß man so einen Quatsch ja nicht gleich wiederholen. Und irgendwo zwischen seinem Luxusrestaurant und einer Welt voll von allerlei technischem Schnickschnack treibt sich nun Max Schwarzwald herum, ein "Ashcroft-Mann", so genannt nach dem ehemaligen amerikanischen Justizminister und so etwas wie der Garant der bestehenden Ordnung, weil er - wie in Spielbergs "Minority Report" - Verbrecher überführt und unschädlich macht, noch ehe sie ihre Verbrechen begangen haben. Schon nach dem 11. September, wird man belehrt, sei dies der "entscheidende theoretische Neuansatz zur Sicherung von Freiheit und Demokratie" gewesen, und noch immer stünde Ashcrofts im kleinen Kreis um den amerikanischen Präsidenten geäußerter Satz "an den Wänden jeder zweiten Ashcroft-Büro-Toilette: Let's crush the motherfuckers before they crush us".

          Nachdem Max seine Unfähigkeit als Präventivspitzel dadurch bewiesen hat, daß er ausgerechnet seinen Freund Leon, einen produktionsgehemmten Maler, wegen Rauchens und Drogen verraten hat, wird man langatmig über die Welt im Jahr 2064 aufgeklärt. Um es kurz zu machen: Die zivilisierte Welt, das sind Europa und China, genauer, die "euro-chinesische Konföderation, die den von Krieg und Terroristenjagd ausgepumpten, hochverschuldeten USA erst sämtliche Kredite strich und bald darauf in der Lage war, Nordamerika quasi aufzukaufen". Amerika gehört zwar noch zur westlichen Zivilisation, doch ist es zum bedeutungslosen Versorgerland herabgesunken, als habe irgendwer den guten alten Morgentau-Plan aus der Schublade gezogen.

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