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: Ein Genie aus dem Morgenland

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Allah ist nicht nur allmächtig, er ist auch schön. Leider erschließt sich diese Schönheit nicht jedem, denn sie versteckt sich in den geschriebenen und gesprochenen Worten der arabischen Sprache, genauer in denen des Korans. Bilder darf es im Islam nicht geben, schon gar nicht solche von Gott oder dem Propheten.

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          Allah ist nicht nur allmächtig, er ist auch schön. Leider erschließt sich diese Schönheit nicht jedem, denn sie versteckt sich in den geschriebenen und gesprochenen Worten der arabischen Sprache, genauer in denen des Korans. Bilder darf es im Islam nicht geben, schon gar nicht solche von Gott oder dem Propheten. Deshalb heißen die Michelangelos und Raffaels der islamischen Welt Kalligraphen, doch wer kennt sie hierzulande? Rafik Schami, der aus Syrien stammende unermüdliche Brückenbauer zwischen Orient und Okzident, führt uns in seinem neuen Roman in die Welt der arabischen Worte, die nicht nur ein ästhetisches, sondern auch ein machtpolitisches Gravitationszentrum bildet. Jeder Verfechter von Rechtschreibreformen hierzulande dürfte dabei das Fürchten lernen.

          Bevor sich das Buch jedoch auf seinen für Schami geradezu bescheidenen 450 Seiten als ganz und gar nicht unpolitische Künstlertragödie entpuppt, kommt es als skurril-besinnlicher Liebesroman in 1001 Geschichten daher, die sich wie die Arabesken der Kalligraphen erst am Ende zu einem schaurig-schönen Kunstepos verbinden. Wie in der arabischen Schrift, über die der staunende Abendländer so manches erfährt, geht es im Roman nicht allzu geradlinig zu: Auch erzähltechnisch befinden wir uns im orientalischen Souq und nicht in einer deutschen Fußgängerzone. 1970 hatte der heute zu den bekanntesten deutschsprachigen Autoren zählende Schami Damaskus als Student Suheil Fadel verlassen, um sich vor den Knüppeln und Knebeln der sich etablierenden Militärdiktatur Hafiz al-Assads in Sicherheit zu bringen und in Heidelberg ein Chemiestudium zu beenden. Das Pseudonym Schami ist eine Hommage an seine Heimatstadt, in der er als christlich-aramäischer Junge eine Jesuitenschule besuchte und vom Vater angehalten wurde, sich in der Kunst der arabischen Schrift zu erproben. Kalligraphische Techniken und chemische Essenzen in einem morgenländischen Zauberlehrlingsambiente: Schami weiß, wovon er schreibt, wenn er uns an die Orte seiner Kindheit entführt, die wie alle Orte aller Kindheiten etwas Magisches haben.

          Es sind die ruhigen mittfünfziger Jahre, die Franzosen sind weg, Militärs und Diktatoren noch nicht da, Syrien erlebt eine kurze friedliche Phase der Demokratie. Die Stadt wirkt wie ein großes Dorf, Esel dienen als Taxis, eine Straßenbahnlinie quietscht von einem Ende zum anderen. Muslime, Christen und Juden leben friedlich, wenn schon nicht mit-, so doch immerhin nebeneinander. Wie ein Lauffeuer breitet sich da ein Gerücht in den Gassen der Altstadt aus: Dem angesehenen und wohlhabenden Kalligraphen Hamid Farsi sei seine Frau Nura weggelaufen, schlimmer noch, vielleicht habe er gar seinem Nebenbuhler den Steigbügel gehalten, indem er in dessen Auftrag anonyme Liebesbriefe verfasste, die dann im Schoß der eigenen Gemahlin landeten. Der knorzige, in Liebesdingen eher unbegabte Farsi ahnt nicht, dass seine kluge Gemahlin mit dem einstigen Lehrling Salman, einem Christen obendrein, davongelaufen ist. Farsi sinnt auf Rache an dem wohlhabenden Lebemann Nassri Abbani, der in der Tat ein Auge auf Nura geworfen hatte, es aber nicht einmal in ihre Nähe schaffte. Der Gehörnte wird jedoch nicht nur Opfer der Eifersucht, sondern auch einer Intrige gegen seine in einer geheimen Loge organisierte Reformbewegung: Er will nicht mehr und nicht weniger als die heilige arabische Schrift und Sprache modernisieren.

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