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Edmund de Waals „Camondo“ : Die Korrespondenz der Dinge

Sturm im Salon: Moïse de Camondos Barockteppich zeigt eine Allegorie der vier Winde, hier ein Ausschnitt. Bild: Paul Zsolnay Verlag

Echo eines Lebens: In seinem Briefroman „Camondo“ widmet sich Edmund de Waal dem kostbaren Erbe des Pariser Bankiers und Sammlers Moïse de Camondo.

          3 Min.

          Ein Fremder, ein Verwandter, ein Freund: Edmund de Waal schreibt ihm Briefe, als wäre Comte Moïse de Camondo noch zugegen in seinem Stadtpalais in der Rue de Monceau Nummer 63, der Pariser Heimstatt einer Familie, einer Bank, einer Dynastie. Und ist der 1935 gestorbene Camondo nicht tatsächlich präsent in der Abwesenheit?

          Ursula Scheer
          Redakteurin im Feuilleton.

          Das dem Petit Trianon in Versailles nachempfundene Haus, in dem die vier Winde auf dem Barockteppich des Salons die Backen blähen; die runde Bibliothek, in der die „Histoire de la poésie des Hébreux“ neben den Klassikern steht; das Porzellanzimmer mit seiner vogelkundlichen Kollektion Meißener Preziosen; schließlich der zum Schrein der Erinnerung veredelte Schlafraum des Sohnes: Das Arrangement der Gegenstände in den von Camondo kunstsinnig ausgestatteten Räumen, die De Waal mit Worten erschließt, bewahrt die Umrisse des Daseins, das sich in ihnen einst entfaltete. Es erzählt von der nach kultureller Perfektion strebenden Assimilation einer wohlhabenden jüdischen Familie aus Konstantinopel, von Sammelleidenschaft, Patriotismus und Aufklärung, von der Sehnsucht nach Dauer und Zugehörigkeit im Land der Dreyfus-Affäre, die für die Spanne eines Lebens gestillt werden konnte.

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