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: Die Unmöglichkeit der Unmöglichkeit

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Mancher hat sich später gefragt, wann das ganze Elend begonnen habe, ob es schon damals, 1932, war, als Franklin D. Roosevelt erschossen wurde, oder erst gegen Ende der Dreißiger, als Amerika noch immer keinen Weg aus der Weltwirtschaftskrise fand. Als die Japaner dann Pearl Harbor bombardierten, ...

          Mancher hat sich später gefragt, wann das ganze Elend begonnen habe, ob es schon damals, 1932, war, als Franklin D. Roosevelt erschossen wurde, oder erst gegen Ende der Dreißiger, als Amerika noch immer keinen Weg aus der Weltwirtschaftskrise fand. Als die Japaner dann Pearl Harbor bombardierten, war es jedenfalls zu spät, die Weichen anders zu stellen, und als das Deutsche Reich seine erste Atombombe über New York abwarf, kapitulierten die Vereinigten Staaten bedingungslos.

          Nein, wie die Deutschen und die Japaner den Zweiten Weltkrieg gewannen, die Erde unter sich aufteilten und die Vereinigten Staaten zerstückelten, das ist nicht die Geschichte, die Philip K. Dick in seinem Roman "Das Orakel vom Berge" erzählt; es ist die Vorgeschichte - und in der Gegenwart dieses Buchs haben soeben die sechziger Jahre begonnen, ein graues, träges, melancholisches Jahrzehnt, das nichts gemein hat mit den bunten, lustigen Sechzigern, an die wir uns zu erinnern glauben. Der Westen, die Pazifischen Staaten von Amerika, ist besetzt von den Japanern, die mit autoritärer Milde herrschen. Im Osten, der unter deutscher Verwaltung steht, geht es, wie man sich erzählt, viel grausamer zu. Im Herzland, in den Rocky Mountains, liegt das unabhängige Terrain, das Vichy der Amerikaner. Und in Berlin, so wird gemeldet, ist der Führer, Martin Bormann, verstorben; Joseph Goebbels hat die Diadochenkämpfe gewonnen, und weil die Leute an der Westküste nichts Genaues wissen, flüstern sie einander Gerüchte zu: Werden die Deutschen, fünfzehn Jahre nach dem letzten Krieg, ihre Wasserstoffbomben auf Japan schießen?

          "Das Orakel vom Berge" ist unter jenen Romanen, die, kontrafaktisch gewissermaßen, einen anderen Verlauf der Geschichte imaginieren, nicht der erste - und der beste, wenn man literarischen Feinsinn und die sogenannte Originalität des Ausdrucks zum Maßstab machte, ist er sicher auch nicht. "The Man in the High Castle" (wie der Originaltitel heißt) ist aber, scheinbar paradox, paradigmatisch und einzigartig zugleich - ein Werk der Verstörung, der Beunruhigung, ein Roman, der nicht nur die Grenzen seines Genres sprengt; seine Wirkung und seine Wucht reißen auch die meisten jener Bastionen nieder, welche die sogenannte Wirklichkeit davor schützen sollen, dass, wenn es zu eng wird im Reich des Fiktionalen, die Geister und Gespenster zu uns herüberkommen, um uns zu verzaubern. Ich habe, als weltraumsüchtiger, überlichtgeschwindigkeitsbetrunkener, zukunftsbesessener Elf- oder Zwölfjähriger, den Roman gelesen. Und konnte noch Monate danach nicht fassen, was darin stand. Und heute, da "Das Orakel vom Berge" wiederaufgelegt wird, wünschte ich mir, ich könnte das Buch noch einmal zum ersten Mal lesen.

          Philip K. Dick ist unter den literarischen Geheimtipps der Superstar, und unter den Großen der amerikanischen Literatur ist er der große Halbbekannte; die Kenner verehren ihn als Propheten, den Kinogängern ist Dick schon deshalb bekannt, weil dieser Name im Vorspann der Romanverfilmungen "Blade Runner", "Total Recall", "Minority Report" stand; überhaupt ist das ganze Genre ohne Dicks geistige Pionierarbeit kaum denkbar - wollte man einen Lehrfilm über Dicks Gedanken, Fragen, Motive so inszenieren, dass auch Begriffsstutzige ihn verstünden, käme vermutlich etwas Ähnliches wie die "Matrix" heraus.

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