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: Die geheime Frau

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Irene Rodrian zuckt mit den Schultern. "Ich fange wieder beim Nullpunkt an", sagt sie. Damit hatte sie nicht gerechnet. "Mich hat überrascht, wie schnell man vergessen ist. - Nach gerade mal zehn Jahren." Leser, die jünger sind als 45, haben den Namen noch nie gehört. "Irene wer?" fragen sie. Dabei ...

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          Irene Rodrian zuckt mit den Schultern. "Ich fange wieder beim Nullpunkt an", sagt sie. Damit hatte sie nicht gerechnet. "Mich hat überrascht, wie schnell man vergessen ist. - Nach gerade mal zehn Jahren." Leser, die jünger sind als 45, haben den Namen noch nie gehört. "Irene wer?" fragen sie. Dabei war die große kräftige Frau in den 70er und 80er Jahren in der Bundesrepublik eine der ganz Großen der Kriminalliteratur. Als deutsche Antwort auf Patricia Highsmith haben Fans und Kritiker in den Zeitungen sie damals gefeiert. Das war gewiß übertrieben. So fein wie Highsmith schrieb Irene Rodrian nie. Aber mit Gefühl für seelische und psychische Schwebezustände. Verzwickte Fälle, die von klugen Detektiven aufgelöst werden, waren ihre Sache nicht. "Mit Agatha Christie konnte ich früher nicht viel anfangen", sagt sie. "Heute finde ich ihre Romane toll." Damals, vor zwanzig, dreißig Jahren, waren die junge Ehefrau, die Mitläufer, die durch Untätigsein schuldig werden, die Helden ihrer Romane. Rodrian suchte Antworten auf die Frage, warum Menschen zum Verbrecher werden. "Mich haben immer die Opfer interessiert, gerade wenn sie dann zu Tätern werden", sagt sie heute.

          Nachdem sie mehr als zwanzig Thriller veröffentlicht hatte, verstummte sie Anfang der neunziger Jahre plötzlich. Zwar schrieb Irene Rodrian weiter Drehbücher und zehrte von ihrem Ruhm als Kinderbuchautorin. Doch gerade in der Zeit, als der Kriminalroman auch von deutschen Schriftstellern entdeckt wurde, verschwand sie von der Bühne. Jetzt kommt die erste deutsche Krimiautorin endlich wieder zurück. In diesen Tagen ist im Heyne-Verlag ihr neuer Roman "Eisiges Schweigen" erschienen. Eines fällt den Lesern, die die "alte" Irene Rodrian kennen, bei der Lektüre sofort auf: Sie schreibt andere Geschichten als früher. Statt an der von ihr verehrten Patricia Highsmith orientiert sie sich jetzt stärker an den klassischen Mustern der Detektivgeschichte. Agatha Christie ist jetzt eher eine Patin für die zweite Krimikarriere der Irene Rodrian. Bei der Britin ermittelt Miss Marple in der englischen Provinz, bei Irene Rodrian sind es fünf Frauen der Privatdetektei "Llimona 5" in Barcelona.

          Warum ausgerechnet Barcelona? "Ich wollte sehen, was fünf Frauen in so einer Macho-Stadt erleben", sagt die 1937 in Berlin geborene Autorin. "Barcelona ist jung und vital. Ich kenne keine Stadt neben Berlin, die sich so rasant verändert wie Barcelona." Rodrian kennt Barcelona gut. Seit Anfang der 60er Jahre lebt sie die Hälfte des Jahres in München, die andere Hälfte auf der Insel Formentera, Barcelona ist da die nächste Stadt. Hier schreibt sie ihre Krimis.

          Erst mal Jerry Cotton

          Schon als Jugendliche war sie von dem Genre Kriminalroman fasziniert. Nach einigen Jahren in einer Werbefirma und einer Zeit als selbständige Werbeberaterin und Grafikerin in München, beschloß Irene Rodrian in den sechziger Jahren, vom Schreiben zu leben. Es begann mit Jerry-Cotton-Heften. Zehn "Jerry-Cotton-Stories" hat sie zwischen 1962 und 1964 geschrieben. Mit diesen Verbrecherjagden des stahlharten FBI-Agenten Jerry Cotton lernte sie das Handwerk des Krimischreibens. Tausend Mark für 64 Seiten, das war damals viel und schnell verdientes Geld.

          Doch unter eigenem Namen konnte die besessene Krimiliebhaberin nichts veröffentlichen. Frauen als Krimiautorinnen? Trotz der großen Damen der englischen Krimiliteratur wie Agatha Christie, Margery Allingham oder Dorothy Sayers schien das in der Bundesrepublik der sechziger Jahre undenkbar. Damals gab es überhaupt erst drei Autoren, die den deutschen Kriminalroman in der renommierten Krimireihe "rororo-Thriller" neu belebt hatten: Hansjörg Martin, Friedhelm Werremeier und Michael Molsner.

          Auch der Münchner Goldmann-Verlag suchte zu dieser Zeit mit seinem Edgar-Wallace-Krimipreis nach eigenen deutschen Autoren. Zu dieser Ausschreibung reichte die damals dreißigjährige Irene Rodrian gleich zwei Manuskripte ein. "Ich wollte diesen Preis", sagt sie. Der Verlag wußte die Namen der Einsender nicht, es gab nur Kennziffern. Eines der Manuskripte, "Bis morgen, Mörder", war so geschrieben, wie Irene Rodrian sich einen guten Krimi dachte. Der andere Krimi, den sie auf der Terrasse ihres Hauses auf Formentera schrieb, war so, "wie ich mir ausgerechnet habe, daß man einen Preis kriegt".

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