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: Die Bienen nehmen es, wie es kommt

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Am 12. Dezember 1962 zog die Lyrikerin Sylvia Plath mit ihren beiden kleinen Kindern von Devon in die Fitzroy Road nach London. Dort wollte sie nach der Trennung von ihrem Ehemann, dem Lyriker Ted Hughes, in einem Haus, das einst dem Dichter W. B. Yeats gehörte, ihr neues Leben in die Hand nehmen.

          Am 12. Dezember 1962 zog die Lyrikerin Sylvia Plath mit ihren beiden kleinen Kindern von Devon in die Fitzroy Road nach London. Dort wollte sie nach der Trennung von ihrem Ehemann, dem Lyriker Ted Hughes, in einem Haus, das einst dem Dichter W. B. Yeats gehörte, ihr neues Leben in die Hand nehmen. "Die nächsten fünf Jahre meines Lebens sehen also himmlisch aus", schrieb sie an ihre Mutter in Amerika zwei Tage später voller Euphorie: "Ich spüre, wie Yeats' Geist mir Segen bringt." Es war der kälteste Winter Englands seit Kriegsende, mit klirrendem Frost und Bergen von Schnee. Da traf es sich besonders ungünstig, dass beim Einzug ins neue Heim der bestellte Gasofen noch nicht geliefert war. Doch mit Hilfe der Gasgesellschaft und zwei tüchtigen Lehrjungen gelang es noch am selben Tag, den Ofen zu installieren. Zwei Monate später, am 11. Februar 1963, legte Plath den Kopf in diesen Ofen und drehte den Hahn auf. Den Kindern, die im Nebenzimmer schliefen, hatte sie Brot und Milch bereitgestellt. Auf dem Küchentisch aber lag ein redigiertes Typoskript mit vierzig Gedichten, die wenig später ihren Weltruhm begründeten.

          Man muss diese Geschichte, selbst wenn man Lyrikproduktion und Lebensführung aus prinzipiellen Gründen trennen will, doch immer wieder nacherzählen, denn sie bildet nicht nur einen Gründungsmythos zeitgenössischer Poetik, sondern zugleich auch ein Lehrstück über die Verfügungsmacht von Sprache und die Frage, wie sprachliche Benennung auf den oder die Benannten wirken, das heißt, was für eine Kraft, gerade auch Verletzungskraft von Worten ausgeht. "Worte" ist eins der letzten Gedichte, das Plath hinterließ, überschrieben; es setzt verbale Akte buchstäblich mit der Gewalt des Holzfällens in eins: "Äxte / Nach deren Schlag das Holz klingt", heißt es hier: "Der Saft / Steigt auf wie Tränen". In der Fassung des Gedichtbands "Ariel", wie er 1965 erschien, steht es an letzter Stelle. Es mag dort abschließend bezeugen, mit welcher Wucht ihr nachgelassenes Werk die Hinterbliebenen getroffen haben muss.

          Ob es persönliche Betroffenheiten waren oder künstlerische Rücksichten, ist seither allerdings erbittert diskutiert worden. Jedenfalls nutzte der Ehemann nach ihrem Tod die Möglichkeit, in die Gestalt und Textfolge aller weiteren Plath-Publikationen einzugreifen und sie nach seinen Vorstellungen zu edieren. Da zwar die Trennung vollzogen, eine Scheidung aber nicht erfolgt war, ging mit ihrem Tod das Copyright auf Ted Hughes über, der es den Kindern überschrieb, zugleich aber zeitlebens die Kontrolle darüber ausübte. Aus dem Typoskript von "Ariel" beispielsweise entfernte er ein Dutzend Texte und fügte dem Band dafür dreizehn andere Gedichte, darunter "Worte", ein, die erst in ihren letzten Lebenswochen entstanden waren, als Plath sich im neuen Leben in der Fitzroy Road verzweifelt einzurichten suchte. Ihr Ton ist ungleich harscher, düsterer, unversöhnlicher. So wurde wohl der Band, wie Hughes ihn komponierte, um etliche Registertöne reicher und in seiner Spannweite dramatischer. Zugleich aber konnte er, sobald die Eigenmächtigkeiten des Herausgebers bekannt wurden, den Ruch von Zensur nicht mehr abschütteln.

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