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: Der Feind in meinem Taxi

  • Aktualisiert am

Warum nur zieht einen dieses Buch nicht direkt in seinen Bann? Gut geschrieben ist es ja. Und Bruno Preisendörfer weiß, wie man den Dreh für einen spannenden Roman findet, auch wenn sein letzter, noch bei Eichborn erschienener Roman "Die letzte Zigarette" ein eher gemischtes Vergnügen war (F.A.Z.

          Warum nur zieht einen dieses Buch nicht direkt in seinen Bann? Gut geschrieben ist es ja. Und Bruno Preisendörfer weiß, wie man den Dreh für einen spannenden Roman findet, auch wenn sein letzter, noch bei Eichborn erschienener Roman "Die letzte Zigarette" ein eher gemischtes Vergnügen war (F.A.Z. vom 29. September 2006). Die Ausgangslage des neuen, "Die Vergeltung", ist vielversprechend: zwei Männer in einem Taxi. Der Kunde möchte von Frankfurt nach Düsseldorf, doch eigentlich will er nur eins: den Fahrer töten. Denn dieser hat seine Frau auf dem Gewissen. Vor zwanzig Jahren hatte Sebastian Neubert bei einem Raubüberfall das junge Eheglück von Michael und Vanessa Stein mit einem Schuss zerstört; Vanessa starb noch in derselben Nacht, Michael schwor Rache. Nun sitzt er neben dem Mörder, die Pistole in der Tasche. Der Showdown beginnt. Auch der Schluss kann sich sehen lassen. In guter Krimimanier nimmt die Handlung im letzten Moment eine gänzlich unerwartete Wendung.

          Aber warum legt man das Buch etwas unbefriedigt zur Seite? Weil alles, was zwischen den beiden Angelpunkten der Erzählung geschieht, nicht immer der Erhellung, sondern zu häufig der Verwässerung dient. Die Spannung, die in der langen Eingangssequenz, an deren Ende sich Michael Stein doch nicht dazu durchringen kann abzudrücken, aufgebaut wird, kann nicht aufrechterhalten werden. Preisendörfer wird zum Gefangenen seiner eigenen Komposition, wenn er mit einem eigentlich bereits finalen Duell einsteigt und die Dramatik danach nur noch verschleppen kann. So gestaltet sich der Mittelteil beinahe langweilig. Nach der langen Taxifahrt kommen sich die beiden Konkurrenten näher; plötzlich werden sie zu Freunden, duzen sich und spielen miteinander Domino. Die Entstehungsgeschichte der Freund-Feindschaft wird später nachgeliefert. Michael Stein weiß über das Leben seines Gegenübers perfekt Bescheid: über Neuberts Zeit im Gefängnis, seine Suche nach Arbeit, sein junges Eheglück mit der resoluten Wirtin einer Frankfurter Taxikneipe. Je besser er ihn persönlich kennt, desto schwerer fällt es ihm natürlich, seinen Schwur einzulösen. Was folgt, ist ein Versteck- und Verstellungsspiel im schmuddeligen Frankfurter Taxifahrermilieu. Stein, der einstmals eine hoffnungsvolle Karriere im Bankgewerbe vor sich hatte, begibt sich tief hinein in diese Welt. Zu vieles erscheint dabei überflüssig, der Roman ist hier ein wenig überfrachtet. So trägt etwa der Gang in einen Waschsalon, in dessen Fortgang sich Steins Hemden rosa färben, nicht zum Verständnis der Handlung bei.

          Wenn es sich dennoch um ein lesenswertes Buch handelt, dann wegen der interessanten Krimiausgangslage - Stoff für den kurzen Lesehunger zwischendurch.

          KILIAN TROTIER

          Bruno Preisendörfer: "Die Vergeltung". Roman. Liebeskind Verlag, München 2007. 240 S., geb., 18,90 [Euro].

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