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: Der bewaffnete Traum

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In diesem Buch geht es hinüber in eine andere Welt, in eine andere Sprache, eine andere Literatur. Hinüber auf die andere Seite von Europa, auf die unbekannte Seite einer altbekannten Geschichte. Es geht ins Baskenland, das in den Nachrichtensendungen der Welt in unregelmäßigen Abständen immer wieder ...

          In diesem Buch geht es hinüber in eine andere Welt, in eine andere Sprache, eine andere Literatur. Hinüber auf die andere Seite von Europa, auf die unbekannte Seite einer altbekannten Geschichte. Es geht ins Baskenland, das in den Nachrichtensendungen der Welt in unregelmäßigen Abständen immer wieder als Heimat einer kleinen, unverbesserlichen Terrorgruppe vorgestellt wird, die unschuldige Gemeinderäte erschießt, Angst und Schrecken unter der Bevölkerung verbreitet. Erst gestern wieder musste der Flughafen von Ibiza aufgrund einer Bombendrohung evakuiert werden. Das verdächtige Päckchen erwies sich jedoch nach kontrollierter Sprengung als harmlos. Die Angst ist groß. Der Kampf geht weiter.

          Der Schriftsteller Raul Zelik hat einen Roman über das Baskenland geschrieben, einen Roman über die baskische Sprache, die baskische Literatur und ihre Helden, einen Roman über die Grenzen des neuen Europa, über politische Stagnation und Erstarrung und über die revolutionären Träume eines jungen Mannes, der von Berlin aus aufgebrochen war, um für ein politikwissenschaftliches Forschungsprojekt an den politischen Rändern die Möglichkeiten und Grenzen einer gesamteuropäischen Identität zu erkunden. Eines Mannes, der im Verlaufe des Romans aus der Welt der politischen Theorie in die Praxis hinüberstürzt. Am Anfang sanft gezogen wird, aber immer mehr bereit ist, die andere Seite der Geschichte zu hören und schließlich beinahe zu seiner Geschichte zu machen. Das Buch erzählt die andere Seite des baskischen Kampfes, die andere Seite des Terrors.

          Raul Zelik ist ein politischer Autor, 1968 in München geboren, war er viel und lange in der Welt unterwegs, vor allem in Südamerika, lange auch im Baskenland und im Süden Spaniens. Er hat Reportagebücher geschrieben, politische Krimis, Kämpferbücher. Mit seinem letzten Roman "Berliner Verhältnisse", einem großartigen Buch über die Underdogs und politischen Wunderlinge dieser Stadt, ist ihm der Durchbruch bei Kritik und Publikum gelungen.

          Jetzt also: das Baskenland, die Basken und ihr Kampf. Unser Mann, der Protagonist des Romans, Max, Mitte dreißig, im Grunde ganz gut eingerichtet in einem bequemen, gemäßigt linken Weltbild, ist gemeinsam mit seinem Geliebten nach Spanien gekommen, um dort das Forschen zu beginnen. Er wird an seinem Forschungsort mehrmals von seiner früheren Freundin und ihrer gemeinsamen kleinen Tochter besucht, die beide seine erotische Neuorientierung recht unaufgeregt hinnehmen. Eine etwas ungewisse, leicht schwankende Identität zeichnet unseren Protagonisten also aus. Und ein großer Lebenszweifel, eine Gefühllosigkeit gegenüber den ihm nächsten Menschen, eine innere Leere und die große Frage nach dem Wozu und Wohin. "Der Eindruck, von nichts wirklich berührt zu werden. Manchmal habe ich das Gefühl, überhaupt keine Gefühle zu haben, emotional inexistent zu sein: Ich kann mich verhalten, als sei ich normal, Bekannte würden mich vielleicht sogar als herzlich bezeichnen, doch im Grunde bin ich oft nur von Gleichgültigkeit erfüllt."

          Und in dieser tiefen Lebenskrise trifft er auf einen alten Freund, Zubieta, den er von früher, von viel früher kennt, der inzwischen im Untergrund lebt, als Terrorist gesucht, wie man so sagt. Er wird gesucht, seit er Mitte der achtziger Jahre den baskischen Schriftsteller Joseba Sarrionandia in einer spektakulären Aktion aus dem Gefängnis befreite. Als Max jetzt nach Spanien kommt, ist Zubieta soeben zu einem der wichtigsten Anführer von Eta ernannt worden, so steht es in den Zeitungen. Auf verschlungenen Wegen tritt Zubieta wieder in Kontakt mit Max, und er bittet ihn, ihn mit seinem unauffälligen deutschen Auto durch das Land zu fahren.

          Und Max fährt. Der Roman ist die Geschichte dieser Reise. Einer Reise in den Untergrund, einer Reise in eine andere Welt, in der die Geschichte des Eta-Terrorismus von der anderen Seite erzählt wird, von der Seite der Kämpfer aus dem Untergrund.

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