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Daniel Stashower: Sir Arthur Conan Doyle : Wir lösen Fälle auch mit Ektoplasma

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Bild: Baskerville Bücher

Detektiv, Propagandist und Elfenfreund: Zum hundertfünfzigsten Geburtstag von Sir Arthur Conan Doyle liegt nun die sorgfältige Biographie von Daniel Stashower auf Deutsch vor.

          Im Dezember 1926, als der Friedensnobelpreis an Stresemann und Briand verliehen wurde, Churchill sich auf eine Begegnung mit Mussolini vorbereitete und Claude Monet starb, war England mit ganz anderen Dingen beschäftigt. Die „Times“ meldete das mysteriöse Verschwinden einer Kriminalautorin, die gerade bekannt geworden war. Eine Woche lang suchte die Polizei mit Tausenden von Freiwilligen, darunter auch Edgar Wallace und Dorothy L. Sayers, nach der fünfunddreißigjährigen Agatha Mary Clarissa Christie, aber ohne Erfolg. In diesen Jahren erschienen die letzten Sherlock-Holmes Geschichten, und so wandte sich die Polizei an den berühmten Autor, der gerne mit seinem Geschöpf verwechselt wurde.

          Aber Sir Arthur Conan Doyle war inzwischen auf ganz anderen Kanälen tätig. Mochte sein Detektiv weiterhin die Rationalität seiner Methoden preisen, er selbst hatte ihn längst überrundet. Er wollte der Polizei gerne helfen, aber es sollte mit den Mitteln des Übersinnlichen geschehen. Doyle gab einem berühmten Medium, Horace Leaf, einen Handschuh der Vermissten und ließ ihn Spur aufnehmen. Leaf sagte bald, die Besitzerin sei nicht tot, sondern man werde am nächsten Mittwoch von ihr hören. Da sie von den meisten schon für tot gehalten wurde, war diese Nachricht einigermaßen überraschend. Tatsächlich tauchte Christie in einem Hotel in Yorkshire auf, allerdings am Dienstag, doch hörte die Öffentlichkeit erst am Mittwoch davon.

          Distanz zur Kunstfigur

          Es klang wie eines jener Orakelsprüche von Sherlock Holmes. Auf Hellseher allerdings gab dieser gar nichts. Unsere Agentur, so hatte er noch 1924 gesagt, steht fest auf dem Boden der Realität; Geister brauchen gar nicht erst vorzusprechen.

          Während sich seine Kunstfigur noch in der Wirklichkeit aufhielt, hatte sich ihr Autor längst aus dieser entfernt. Es ist kein kleiner Seiltanzakt, das Leben und die Werke eines Menschen zu beschreiben, der sich in so viele Richtungen ausdehnte und auf den ersten Blick äußerst heterogen erscheint. Was dies alles zusammenhält, kann in drei Buchstaben gesagt werden: Sir. Conan Doyle wurde geadelt, er war ein Gentleman, ein Ritter und ein Propagandist des Empire, man konnte ihn auch als Kreuzfahrer und Kämpfer für die Unschuldigen tätig sehen und schließlich war dieses Sir auch Siegel des Erfolgs. Dieser Erfolg wäre ohne den Detektiv nicht gekommen, so schmerzhaft die Erkenntnis für Doyle auch sein mochte. Alle anderen Auftritte auf der Bühne der Geschichte und Literatur wurden nur deshalb beachtet, weil er diesen verschroben-kühlen Kämpfer gegen das Verbrechen geschaffen hatte.

          Wie bringe ich Holmes um?

          Zum hundertfünfzigsten Geburtstag von Sir Arthur Conan Doyle – so lange musste es dauern! – ist nun auf Deutsch die erste (leider bildlose) Biographie erschienen. Auf dem englischsprachigen Markt gibt es viele, doch das Buch des amerikanischen Autors Daniel Stashower ist die beste Wahl. Der deutsche Untertitel „Das Leben des Vaters von Sherlock Holmes“ lässt jedoch den Detektiv wieder triumphieren, den Doyle zunehmend als lästigen Begleiter empfand. Sein Leben stand unter dem Stern und Unstern dieses Geschöpfes, das sich verselbständigte wie das Monster Frankensteins. Und nicht anders als Frankenstein versuchte Doyle es umzubringen. Bei einem Urlaub in Zermatt wollten ihn Freunde davon abbringen; als sie sahen, daß alles Zureden nicht half, empfahlen sie Doyle, Sherlock Holmes in einer Gletscherspalte verschwinden zu lassen, das spare die Beerdigungskosten. Und so geschah es. Im Kampf mit dem Napoleon des Verbrechens stürzte Holmes die Reichenbachfälle hinab.

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