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Dagmar von Gersdorff: Auf der ganzen Welt nur sie : Die Prinzessin, die nicht standesgemäß war

  • -Aktualisiert am

Bild: Insel-Verlag

Wenn er gedurft hätte, hätte er sie schon sehr lieb gehabt, aber er durfte halt nicht: Dagmar von Gersdorff erzählt die Liebesgeschichte von Elisa Radziwill, Europas schönster Prinzessin, und ihrem Wilhelm.

          Die polnische Prinzessin Elisa Radziwill (1803 bis 1834) galt als die schönste Frau am preußischen Hof. Kein hohes Wort ist zeitgenössischen Beobachtern genug, um den Liebreiz der jungen Frau zu beschreiben. Am besten hätte das wohl Jean Paul gekonnt, der die Königin Luise und ihre Schwestern als Verkörperung überirdischer Wesen betrachtete - zu diesem Genre gehörte auch Elisa Radziwill. Kein Wunder, dass solch „liebliche Elastizität“ den preußischen Prinzen Wilhelm (1797 bis 1888), den zweiten Sohn der Königin Luise und späteren Kaiser Wilhelm I., entzückte. Sechs Jahre dauerte die Liebesgeschichte des Traumpaares, und ganz Europa nahm Anteil.

          Jeden Abend beschloss der Preußenprinz seine Tagebucheinträge mit einem großen E - das stand für Elisa, die auch noch den Spitznamen „Ewig“ trug. Elisa und Wilhelm - also noch eine Liebe in Preußen, die sich sehen lassen kann. Dass Dagmar von Gersdorff sie zum Gegenstand ihres neuen Buches gemacht hat, verwundert nicht. Gut passt die Geschichte der „zwei Königskinder“ mit dem unschuldigen weiblichen Opfer in die Galerie erlesener Frauen aus dem Zeitalter von Klassik und Romantik, die diese Autorin seit drei Jahrzehnten für eine breitere Öffentlichkeit aufbereitet hat. Es handelt sich also geradezu um die Fortsetzung von „Königin Luise und König Friedrich Wilhelm III.“ (1996).

          Eine Liebesgeschichte im „polnischen Preußen“

          Die traurig-schöne Geschichte ist schon mehrfach ausführlich dargestellt worden. Dagmar von Gersdorff erzählt sie mit sympathisch unaufdringlicher Sympathie. Der auf Originalität erpichte Ehrgeiz der Fachwissenschaft - also: Preußen in neuer Sicht - ist ihr fremd; wie viele neuere Biographen glaubt sie, dass der Reiz ihres Gegenstandes für dieses Manko entschädigt. Sorgfältig arbeitet sie aus den Quellen, ohne dass man recht erkennen kann, wo sie über ihre Vorgänger (etwa das umfangreiche Buch von Kurt Jagow) hinausgeht. Bedauern mag man auch die Sparsamkeit, mit der sie aus ungedruckten Zeugnissen zitiert, meist in ganz knappen Portionen, die dem eigenen Erzählfluss eingefügt, nicht aber dazu genutzt werden, den beiden Brief- und Tagebuchschreibern eigenes Profil zu geben. Von Elisa haben sich nur wenige Briefe an Wilhelm erhalten - wie schön wäre es, wenn man sie einmal vollständig lesen könnte. Hätte sich dafür nicht im Anhang ein Platz finden können?

          Licht fällt insbesondere auf das „polnische Preußen“ in Berlin, also auf die außerordentliche Familie Radziwill, ihr Palais an der Wilhelmstraße, die schlesischen Schlösser und die Statthalterei in Posen, den Amtssitz, den der preußische König dem Fürsten Radziwill nach der polnischen Teilung zuwies, und das Schloss Antonin in der Nähe. Fürst Anton Radziwill, der Vater Elisas, selbst mit einer preußischen Prinzessin, einer Nichte Friedrichs I., verheiratet, machte auch in der Berliner Geistesaristokratie eine denkbar gute Figur. Verzeichnet wird die glanzvolle Aufführung von Szenen aus Goethes „Faust“ mit der Musik des Fürsten, die aus Anlass des Besuchs von Goethes Sohn August, aber natürlich zu Ehren des Vaters im Schloss Monbijou stattfand (nicht bei den Radziwills, wie es bei Dagmar von Gersdorff heißt). Der Fürst lernte Goethe dann auch persönlich in Weimar kennen. Chopin spielte im Salon des Fürsten, Beethoven, den er förderte, widmete ihm zwei seiner Werke.

          Keine standesgemäße Ehe

          Man sieht, dass auch Berlin leuchten konnte. Ziemlich wenig erfährt man hingegen über Bildung und Persönlichkeit des Liebespaares. Elisa liest die moderne Literatur, kennt den „Wilhelm Meister“ und zitiert Jean Paul. Von Wilhelm hört man wiederholt, er sei vor allem Soldat, für den Thron komme er schlechterdings nicht in Betracht.

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