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Christian Kracht: Imperium : Ein kultischer Verehrer von Kokosnuss und Sonnenschein

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Bild: Kiepenheuer & Witsch Verlag

Unser Mann im Pazifik: Christian Kracht hat mit „Imperium“ einen lässigen Abenteuerroman über einen deutschen Romantiker geschrieben.

          Was, das soll ein deutscher Roman sein?, fragt man sich beim Lesen der ersten Seiten dieses Buches verwundert. Und noch dazu einer, der der Gegenwart entsprungen ist? Kommt er nicht vielmehr von weit her, aus einem anderen Sprachraum und einer anderen Zeit? Beides stimmt. Die Geschichte eines abenteuerlichen Herzens, die hier mit weit ausholendem, nah heranzoomendem angelsächsischem Klassikeratem erzählt wird, hat in mancher Hinsicht ein Jahrhundert auf dem Buckel; doch wie sie erzählt wird, das ist von einer schwerelosen Heiterkeit, die erst der neugierige, aber eben unbeteiligte Blick durch den Rückspiegel auf eine Massenkarambolage zulässt, wie sie das zwanzigste Jahrhundert darstellt.

          „Imperium“ heißt der neue, vierte Roman von Christian Kracht, der in der kommenden Woche erscheint. In der literarischen Welt ist das ein Ereignis, denn Kracht, Jahrgang 1966, hat seit seinem Debüt „Faserland“, mit dem er Mitte der Neunziger das Lebensgefühl der bald darauf ausgerufenen Generation Golf gültig heraufbeschwor, zuverlässig Bewusstseinskrisengebiete aufgesucht: In „1979“ ließ er einen deutschen Schöner-Wohnling am Zusammenbruch des Schah-Regimes und an der islamischen Revolution teilnehmen, und in „Ich werde hier sein im Sonnenschein und im Schatten“ (2008) läutete er aus der bolschewisierten Schweiz ein surreales europäisches Endspiel ein. Das neue Buch hat von allen drei Vorgängern etwas: die Freude am Spiel mit literarischen Vorbildern, die produktive Konfrontation mit anderen Kulturen und die Lust an einer Alternativgeschichte.

          Irrsinn und Heiterkeit sind keiner Wahrheit verpflichtet

          „Imperium“ erzählt von dem Nürnberger August Engelhardt, der sich zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts mit einer kleinen Erbschaft in die Südsee einschiffte, um in Papua-Neuguinea, das damals vorübergehend auf den Kolonialnamen Deutsch-Neuguinea hörte, ein Fleckchen Land zu kaufen, wo er ungestört der Kokosnuss, dem Freikörperkult und der Sonne huldigen konnte.

          Dieser Ritter der Kokosnuss ist eine derart kuriose Figur, dass man ihn erfinden müsste, wenn es ihn nicht tatsächlich gegeben hätte. Vergangenes Jahr erschien mit Marc Buhls „Das Paradies des August Engelhardt“ bereits ein erster, vielfach gelobter Roman über den Nudisten und Kokovoren, der 1902 auf der Insel Kabakon unter Palmen seinen Sonnenorden ausrief. Falls Kracht sich über diesen Nebenbuhler geärgert haben sollte, so ist davon jedenfalls nichts zu spüren. Im Gegenteil: So entspannt, so lustvoll wie in „Imperium“ las sich der Autor noch nie. Es liegt eine große Heiterkeit über diesem Buch, das eine farbenprächtige, mitunter tragische Groteske von Verblendung, Fanatismus, Einsamkeit und unfreiwilligem Deutschsein in der Fremde erzählt. Die Heiterkeit speist sich zum einen aus der demonstrativen literarischen Freiheit, die Kracht sich von biographischen Fakten nimmt; zum anderen aus der historischen Distanz eines allwissenden Erzählers, der mit dem Exoten Engelhardt den Irrsinn der ganzen deutschen Südsee-Episode und der ihr nachfolgenden Tragödie in den Blick nehmen will, wie er uns ohne Umschweife mitteilt: „So wird nun stellvertretend die Geschichte nur eines Deutschen erzählt werden, eines Romantikers, der wie so viele dieser Spezies verhinderter Künstler war, und wenn dabei manchmal Parallelen zu einem späteren deutschen Romantiker und Vegetarier ins Bewusstsein dringen, der vielleicht lieber bei seiner Staffelei geblieben wäre, so ist dies durchaus beabsichtigt und sinnigerweise, Verzeihung, in nuce auch kohärent.“

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