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: Bulettenexperiment

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Auch das Experiment hat seine Tradition, also auch seine Epigonen. Von August Stramm bis zu Thomas Kling sind es hundert Jahre. Da muss man schon ziemlich jung sein, um das Spiel noch einmal zu spielen. Mara Genschel, Jahrgang 1982, ist es. "Mara Genschel muss man hören. Und sehen", empfiehlt ein Dichterkollege im Klappentext.

          Auch das Experiment hat seine Tradition, also auch seine Epigonen. Von August Stramm bis zu Thomas Kling sind es hundert Jahre. Da muss man schon ziemlich jung sein, um das Spiel noch einmal zu spielen. Mara Genschel, Jahrgang 1982, ist es. "Mara Genschel muss man hören. Und sehen", empfiehlt ein Dichterkollege im Klappentext. Das lässt schon vermuten, dass die Buchform nicht ganz so faszinierend ist. In der Tat. Manches klingt nach Jandl, anderes nach Kling, dem sie eines der Gedichte widmet. Oder sind es Rudimente von Gedichten? Etwa so: "EXIST & / glückl. in / botanischem / G. gesessen, / "m / pl teig mit / fleisch- oder / fischfüllg., in / öl" gegessen. / (Sachlich mich ums / Sprachliche gedrückt)." Eine Tagebuchnotiz, typographisch aufgemotzt - aber ein Gedicht? Man darf den selbstkritischen Schluss der Autorin umkehren: "Sprachlich mich ums / Sachliche gedrückt." Dagegen gibt es ein beinah brauchbares Bulettenrezept, brauchbar bis auf den misslaunigen Einschub "pantsch" und die Aufforderung: "friss frikar / nach Bratzeit sechshundert sekunden." Da möchte man doch vom Genuss abraten. (Mara Genschel: "Tonbrand Schlaf." Gedichte. Connewitzer Verlagsbuchhandlung, Leipzig 2008. 76 S., br., 10,- [Euro].) H.H.

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