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Briefwechsel Celan - Bachmann : Wer bin ich für Dich, wer nach so vielen Jahren?

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Im brieflichen Austausch widersteht die junge Studentin Celans „Ungeduld“, genauso wie sie auch seine wiederkehrenden Vorhaltungen ignoriert: „Du sagst es nicht, Du sagst auch nicht, für wie lange, sagst nicht, ob Du Dein Stipendium bekommst.“ Celans drängende Frage „Wie weit oder wie nah bist Du, Ingeborg?“ hingegen beantwortet sie erstaunlich offen: „Du wirst Dir ja denken können, dass die Zeit seit Dir für mich nicht ohne Beziehungen zu Männern vergangen ist“, um sogleich einzuräumen: „Wie lange wohl unser Mai und unser Juni hinter all dem zurückliegen, fragst Du: keinen Tag, Du Lieber! Mai und Juni ist für mich heute abend oder morgen mittag und noch in vielen Jahren.“

Und tatsächlich bleibt diese „Einheit der Zeit“ als wiederkehrende Beschwörung ihrer ersten Wiener Treffen, des Zaubers der gemeinsam besuchten Orte wie des Wiener Stadtparks und der Chiffren ihres gegenseitigen Erkennens als Liebende, die verborgene Klammer dieses Briefwechsels über Jahre hinweg. Ingeborg Bachmann schreibt: „Das Blatt, das Du in mein Medaillon gegeben hast, ist nicht verloren, auch wenn es schon lange nicht mehr drinnen sein sollte; ich denk an Dich und hör Dir noch immer zu.“

Das ältere Dunkel

Doch das Zuhören und Sprechen bleibt schwierig. Die Irritationen und Missverständnisse aus der Wiener Zeit, das schmerzliche Erkennen der unüberbrückbaren Differenz zwischen Opfersohn und Tätertochter und die daraus folgenden, immer wiederkehrenden Störungen im brieflichen Gespräch wie im Versuch unzähliger Telefonate, auf die der Briefwechsel viele Hinweise gibt, lassen Celan sagen: „Vielleicht täusche ich mich, vielleicht ist es so, daß wir einander gerade da ausweichen, wo wir einander so gerne begegnen möchten, vielleicht liegt die Schuld an uns beiden. Nur sage ich mir manchmal, daß mein Schweigen vielleicht verständlicher ist als das Deine, weil das Dunkel, das es mir auferlegt, älter ist.“

Nach dem Abschluss ihres Studiums durch Promotion im März 1950 vergehen viele Monate, bis Ingeborg Bachmann am 14. Oktober 1950 endlich bei Paul Celan in Paris eintrifft. Doch der ersehnte Aufenthalt gerät zum Debakel. Ihrem Wiener Freund Hans Weigel gesteht sie, dass der Versuch eines gemeinsamen Lebens „strindbergisch“ wurde, man habe sich „gegenseitig die Luft“ genommen.

Auseinanderstrebende Lebensläufe

Während Celan Anfang November 1951 in Paris die Frau findet, die ihm das von Ingeborg Bachmann imaginierte „Schloss“ bauen kann, die aus altem französischen Adel stammende Künstlerin Gisèle Lestrange, und dadurch die materielle Unabhängigkeit gewinnt, die er zum Schreiben braucht, kämpft sie in Wien weiter gegen die „zermalmende, schreckliche, hundertköpfige Hydra Armut“. Ein Nervenkollaps, Fieberschübe und Zusammenbrüche gehören zu diesem Überlebenskampf, in dem sie um jeden Broterwerb und jede freie Stunde für das eigene Schreiben ringt. Im April 1951 gelingt es ihr endlich, eine Anstellung bei der amerikanischen Besatzungsbehörde zu finden, ab September ist sie dann als freie Mitarbeiterin für den von der Besatzungsbehörde gegründeten Sender Rot-Weiß-Rot tätig.

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