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: Bekleckstes Idyll: Heine-Illustrationen

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An dem Dichter, der ein Leben lang um treffende Bilder und sinnliche Anschauung rang, kommen im Heine-Jahr auch die Zeichner der Neuen Frankfurter Schule nicht vorbei. Hans Traxler knöpft sich das "Wintermärchen" vor, in dem Heine die heiligsten deutschen Mythen mit galligem Esprit und gallischer Eleganz demontiert hat.

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          An dem Dichter, der ein Leben lang um treffende Bilder und sinnliche Anschauung rang, kommen im Heine-Jahr auch die Zeichner der Neuen Frankfurter Schule nicht vorbei. Hans Traxler knöpft sich das "Wintermärchen" vor, in dem Heine die heiligsten deutschen Mythen mit galligem Esprit und gallischer Eleganz demontiert hat. "Cacatum non est pictum" (Gekackt ist nicht gemalt) heißt es in Caput XI über den Nazarener Peter von Cornelius. Deutschnational verschmocktes Pathos kann man den Bildern - für jedes Kapitel eins - nicht vorwerfen. Mit viel Liebe zum Detail malt er Heines antiromantischen Bildersaal in herbstlich-gedeckten Farben aus und rahmt ihn zuweilen wie ein mit Graffiti bekleckstes Ludwig-Richter-Idyll.

          Wenn dann aber der Zensor mit seiner langen Scherennase durchs Bild eilt, um den Lümmel Harry ins Tintenfaß zu stecken, oder ein Sansculotte den guillotinierten Kopf von Madame Dubarry vor sich herträgt, fühlt man sich eher an "Struwwelpeter"-Hoffmann erinnert. Mal sitzt Harry, der junge Stenz mit dem Räuberhut à la mode, auf dem Streitroß hinter Kaiser Barbarossa, mal hoch auf dem gelben Wagen; mal tritt er sich die teure Heimaterde von den Schuhen, und am Ende flüchtet er sich an Frau Hammonias üppigen Busen. Im Zweifelsfall aber hält es Traxlers Heine lieber mit Chou-Chou und der Erinnerung ans heimische Sauerkraut als mit der politischen Satire. Traxlers Behagen am burlesken Idyll verrät eine höhere Ironie, die auch den Urvater des deutschen Feuilletons zärtlich und sanft streichelt.

          Zum Todestag sind jetzt auch seine "Memoiren" neu aufgelegt worden, die der vor drei Jahren verstorbene Volker Kriegel bereits 1997 mit kleinen Duoton-Zeichnungen ausstattete. Die Porträts von Verwandten, Lehrern oder dem Scharfrichter-Töchterlein Sefchen gehören, obwohl unvollendet und von der Familienzensur verstümmelt, zu den bezauberndsten Texten Heines. In Kriegels kongenialen Bildern erscheinen die Düsseldorfer Kindheit und Jugend fast wie eine übermütige Lausbubengeschichte: Sefchens Tante, die hexenhafte Göcherin, ist eine gutmütig keifende Matrone mit Nachtmütze, und selbst die Straßenjungs, die den Judenbengel verhöhnen, sind nur unschuldige Lümmel.

          Isabel Große Holtforths Illustrationen zu den "Neuen Gedichten" von 1844 streifen dann schon die Grenzen des Kunstgewerblichen. In himmelblauen und rosaroten Farben verfließt Heines Spiel mit den Klischees der Liebeslyrik in Veilchen, Wolken und Tauben, rotbäckigen Prinzeßchen und Herzensankern: ein ästhetisches Teekränzchen, in dem spätromantische Ironie nur noch in homöopathischen Dosen, in dekorativen Täßchen und auf kostbaren Jugendstiltellern, serviert wird.

          MARTIN HALTER

          Heinrich Heine: "Deutschland. Ein Wintermärchen". Hrsg. von Werner Bellmann. Bilder von Hans Traxler. Verlag Philipp Reclam jun., Stuttgart 2005. 144 S., geb., 14,90 [Euro].

          Ders.: "Memoiren". Mit Illustrationen von Volker Kriegel. Eichborn Berlin, Berlin 2005. 85 S., geb., 14,90 [Euro].

          Ders.: "Neue Gedichte". Mit Illustrationen von Isabel Große Holtforth. Edition Büchergilde, Frankfurt 2005. 246 S., geb., 24,90 [Euro].

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