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Annie Leibovitz: Pilgrimage : Wann empfindet man das Leben und die Welt als richtig?

Bild: Schirmer/Mosel Verlag

Ruhm, Schmerz, Genialität: Die Fotografin Annie Leibovitz sammelt auf ihrer Pilgerreise Reliquien und präsentiert sie in goldenem Licht.

          Pilgrimage" ist ein Buch von Annie Leibovitz. Das ist wichtig zu wissen. Und es schadet keineswegs, es sich beim Betrachten dieses Bildbands ein ums andere Mal in Erinnerung zu rufen, denn man könnte es nur allzu leicht vergessen.

          Freddy Langer

          Redakteur im Feuilleton, zuständig für das „Reiseblatt“.

          Keine kreischenden Bonbonfarben diesmal, die auf dem Hochglanzpapier leuchten wie Neonröhren vor dem Dunkel der Nacht. Keine Prominenz der Kunst und des Showbusiness, die sie in aufwendigen wie eigenwilligen Inszenierungen zu Ikonen erhöht. Keine Nackten, die auf Rosen gebettet sind oder sich in der Position eines Fötus an die Ehefrau klammern, die in Milch baden oder sich im letzten Monat der Schwangerschaft zart über den Bauch streichen. Gar keine Menschen sogar. Stattdessen Steine, Knochen und Handschriften, ausgestopfte Tiere, eine zerschossene Spielkarte und ein zerschossenes Fernsehgerät, Innenräume, Fassaden und dann und wann der Blick aus einem Fenster hinaus auf Bäume, deren Herbstlaub den Wald wie ein loderndes Feuer zeigt oder deren kahle Äste wie gichtene Finger nach dem Himmel greifen.

          Besinnung auf frühere Glanzpunkte

          Nur das Inhaltsverzeichnis gibt eine Ahnung davon, dass auch hier in gewisser Weise Starkult betrieben wird, mit Namen wie Charles Darwin, Virginia Woolf und Julia Margaret Cameron, mit Abraham Lincoln, Eleanor Roosevelt und Henry David Thoreau, den ganz Großen der Kulturgeschichte. Ihre Bilder freilich zeigen nur Statthalter. Objekte, Möbel, Immobilien. Hier kleine Preziosen, dort großartige Gärten. Das meiste aber so unaufgeregt und zurückhaltend fotografiert, fast mit buchhalterischem Interesse, so kommt es einem zunächst vor, dass man nicht einmal den Begriff des Genius loci bemühen mag. Annie Leibovitz hat nichts entdeckt. Sie hat etwas gesucht.

          Das Schicksal hat es in den vergangenen Jahren nicht gut gemeint mit dieser Fotografin, die durch ihre Porträts der Reichen, Berühmten und Mächtigen längst selbst in die Liga der Superstars aufgestiegen ist. Binnen weniger Wochen starben ihr Vater und ihre Lebensgefährtin, Susan Sontag, mit der sie fünfzehn Jahre lang zusammen war, dazu kamen Schulden von vierundzwanzig Millionen Dollar, wodurch sie beinahe ihren gesamten Besitz sowie den Zugriff auf ihr Werk verloren hätte. Das sind Gründe genug, über das Woher und Wohin des Lebens nachzudenken. Und es ist hier nicht das erste Mal, dass die Besinnung auf frühere Glanzpunkte der eigenen Kultur aus einer gegenwärtigen Krise herausführen soll.

          Von Bürgerkriegsschlachtfeldern zur Harley von Elvis

          Wie war das, als der Kreis der Transzendentalisten in Concord ein neues Weltbild formulierte? Und wie konnte Georgia O'Keeffe der amerikanischen Wüste nie zuvor gesehene Aspekte entlocken? Das sind keine belanglosen Fragen, zumal für eine Künstlerin. Doch wenn Eifer in Manie umschlägt und Annie Leibovitz sich wieder und wieder auf den beschwerlichen Weg ins Yosemite-Tal macht, um im richtigen Licht die berühmte Landschaftsaufnahme "Clearing Winter Storm" von Ansel Adams nachzufotografieren - umgeben von "dreißig oder so Leuten, die sich dort scharten, um Bilder zu machen", Urlauber und Fotostudenten, die von der gleichen Sehnsucht getrieben sind wie sie - entbehrt das nicht einer tragischen Note.

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