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Ambrose G.H. Pratt: Menura : Friedensstifter mit der Gabe für Sprachen

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Bild: Verlag

Der Prachtleierschwanz gilt als bester Sänger unter den Vögeln. Ein nun auf Deutsch erschienenes Buch von Ambrose G. H. Pratt zeigt, wie sehr man diesem Tier verfallen kann.

          Der Prachtleierschwanz, auch Menura genannt, ist mit seinen stolz geschwungenen, langen Schwanzfedern ein erstaunlicher Vogel. Allerdings ist er sehr scheu, weshalb selbst geduldigste Ornithologen, wochenlang versteckt in australischen Bergschluchten, lange Zeit nicht Bekanntschaft mit ihm selbst, nur mit seinem wunderbaren Gesang gemacht haben.

          Damit sich der Leser selbst davon überzeugen kann, sollte er gleich zu Beginn der Lektüre dieses wieder ausgegrabenen, bezaubernden Textes über den Prachtleierschwanz als Begleitmusik die beigefügte CD anhören, mit Tondokumenten des Stimmen- und Geräuschimitators, der ohne jede Not andere Vogelarten wie Wippflöter, Glockenmeinate und Erddrossel in seine Buschlandmelodien einbaut, wozu er gerne tanzt und seine Federn mit unglaublicher Geschwindigkeit schüttelt, weshalb er, wenn da, außerdem schwer zu fotografieren ist. In Gefangenschaft verkümmert er gar ganz. So jedenfalls Ambrose G. H. Pratt (1874 bis 1944), von dem dieses liebevoll erzählte, mehr poetisch als zoologisch bewegende Porträt stammt.

          Er erfreute sie mit seinem Gesang

          Pratt wurde nach einem abgebrochenen Medizinstudium Anwalt, wandelte sich aber zum Journalisten und Schriftsteller von mehr als dreißig Räuber-Romanen, bevor er auch politisch Stellung bezog. Er kämpfte für die Rechte der Schwarzen in Südafrika, beriet Thailand und setzte sich, seit 1941 Generalkonsul in Australien, für den Schutz der dortigen Fauna ein.

          Nun haben Tiere derzeit eine natürliche Präsenz in Gegenwartsromanen. Dass die kleine Friedenauer Presse aber keineswegs nur einem Trend aufspringt, sondern wahre Zuneigung diese Veröffentlichung motiviert, lässt sich unschwer an der liebevollen Aufmachung und außerdem daran erkennen, dass Pratt seine Leierschwanz-Schilderung schon 1933 unter dem Titel „The Lore of the Lyrebird“ geschrieben hat. Elias Canetti hat sie entdeckt und damit eine sehr unglückliche Freundin aufgeheitert: „Aus dem Trauer-Antlitz war ein Gesicht des Glücks geworden, von leichter Verwunderung übermalt, über dieses Buch“, schreibt Canetti in seinen Aufzeichnungen, die wiederum der Übersetzer Rainer G. Schmidt las, der Pratts erstaunliche Geschichte der Verlegerin Katharina Wagenbach-Wolff antrug. Begonnen hat diese Liebesgeschichte „rein geistiger Natur“ am Rande eines australischen Waldes an einem Morgen im Februar 1930, als Mrs. Wilkinson, eine verwitwete Gartenbaukünstlerin und Naturliebhaberin, zum ersten Mal Besuch von einem männlichen Leierschwanz erhielt. Er erfreute sie mit seinem Gesang, schaute der Dame konzentriert bei ihrer Gartenarbeit zu und grub anschließend selbst in den Blumenbeeten nach Larven, Tausendfüßlern und Weichtieren, bevor er „wie ein Trugbild“ wieder verschwand.

          Andere Weibchen interessierten ihn

          Aus der Begegnung wurde im Lauf von Tagen ein Ritual, unterbrochen nur von einem weniger erfreulichen Tag, als James, so wurde der Vogel bald genannt, sich daranmachte, Sträucher auszugraben. Aber man erzog sich gegenseitig, und so fanden Frau und Vogel bald täglich einvernehmlich zueinander. So lange, bis James seine Federn verlor, schwermütig wirkte und eine Besuchspause einlegte: Paarungszeit. Zum Glück setzte er die Beziehung später fort, so dass dieser Dame viel Wissen über den Prachtleierschwanz zu verdanken ist. Pratt, der eines Vormittags Zeuge der hinreißenden Gesangsdarbietung des gefederten Solisten wurde, teilt dieses Wissen mit, als spreche er über ein geliebtes Familienmitglied.

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