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: Als Frankfurts Hunde lautstark heulten

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Am Anfang regt sich Verdacht. Da erscheint in einem Frankfurter Verlag ein Roman des weltbekannten Alexandre Dumas, père, der justament in Frankfurt am Main spielt, und im Nachwort erfährt man, daß der Roman im Original gar nicht vorgelegen habe. Der Übersetzer entpuppt sich als Nacherzähler und ...

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          Am Anfang regt sich Verdacht. Da erscheint in einem Frankfurter Verlag ein Roman des weltbekannten Alexandre Dumas, père, der justament in Frankfurt am Main spielt, und im Nachwort erfährt man, daß der Roman im Original gar nicht vorgelegen habe. Der Übersetzer entpuppt sich als Nacherzähler und sagt, er habe erst "während der Arbeit an diesem Buch" die englische Fassung in einem kleinen Antiquariat in Pennsylvania entdeckt. "So beschloß ich, auf der Grundlage der englischen Übersetzung Dumas' Feuilleton über die preußischen Schreckenstage nachzuerzählen."

          Erst während der Arbeit findet er die Übersetzung und entschließt sich zur Nacherzählung? Ein emendatorischer circulus vitiosus, so scheint es. Und der "Nacherzähler", Clemens Bachmann, der Frankfurt und die Welt um Frankfurter Weltliteratur aus der Feder des großen Dumas bereichert ("der Roman scheint kaum bekannt"), ist natürlich selbst Frankfurter und schließt seine editorische Notiz mit den Worten: "Zur Ehre meiner Heimatstadt". Ein Schelm, wer Arges dabei denkt. Der Verfasser des Buches, also Dumas oder Bachmann (am Stammtisch hörte man auch schon die Namen anderer Frankfurter Autoren), kennt sich mit den Frankfurtern, insonderheit den Sachsenhäusern, auffällig gut aus: "Dieser rauhe Umgangston, der im Gegensatz zu einem zunehmend höflicheren Umgang anderer Volksgruppen steht, erscheint heutzutage als reine Flegelhaftigkeit, Grobheit, aber ohne böse Absicht. Man sagt über sie, daß sie schnell sind mit schroffen, doch immer wieder geistreichen Entgegnungen." Da scheint sich nicht viel verändert zu haben, seitdem Dumas 1867 Frankfurt am Main besucht hat.

          Die feuilletonistischen Versatzstücke des Werks sind nur eher oberflächlich durch eine Art Mantel-und-Degen-Handlung miteinander verwoben. Da wird viel geliebt und gelitten, duelliert und niedergemetzelt: Von Bülow (Preuße, Baron) findet im Duell seinen Lehrmeister in Turpin (Franzose, Typ jugendlicher Held; erregt einen Skandal, weil er in Berlin öffentlich Vive la France ruft und dabei eine Champagnerflasche knallen läßt). Von Bülow und Turpin werden sofort dickste Freunde. Von Bülow wohnt in Frankfurt (eben noch freie Reichsstadt, wird im Verlauf des Romans von den Preußen eingenommen), Turpin kommt nach. Baron Bülow ist mit der schwarzhaarigen Emma verheiratet und will Turpin mit deren blonder Schwester Helene verheiraten. Helene liebt aber Karl von Freyberg (Österreicher, Graf).

          Preußen erklärt den Krieg, Frankfurt wird eingenommen, von Bülow und Karl von Freyberg kämpfen auf verschiedenen Seiten. Turpin, das kleine Genie, ist überall ein Helfer in der Not. Als die Preußen Frankfurt schwerste Kontributionen auferlegen, gerät von Bülow in Streit mit seinem vorgesetzten Oberst (der den schönen Namen Sturm trägt), fordert ihn zum Duell, bekommt aber eine Absage. Also erschießt sich der Baron ordnungsgemäß und trägt seiner Frau auf, dem König von Preußen (zufällig ein alter Freund von Bülows) mitzuteilen, was in Frankfurt passiert und wie die Stadt geschröpft wird. Karl wird schwer verwundet und heiratet Helene auf dem Sterbebett. Schon sind die Kanonen auf Frankfurt gerichtet, das Ultimatum zur Zahlung der auferlegten Kontributionen will eben verstreichen, da stürzt Turpin mit dem rettenden Telegramm in die Runde. Frankfurt wird nicht bombardiert. Am Ende rächt Turpin von Bülow im Duell gegen den Oberst.

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