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Rezension: Sachbuch : Zack, peng, pah - Gooool!

  • Aktualisiert am
          4 Min.

          Die Lebensgeschichte des nach dem Brasilianer Pelé bedeutendsten südamerikanischen Fußballers ist die Geschichte eines einzigen Kampfes. Und eines Irrtums. Diego Maradona glaubte, stets Herr der Lage und Gestalter seines Schicksals zu sein, bestenfalls unter Mithilfe des "Bärtigen", wie er Gott kumpelhaft zu nennen pflegt. Doch war er fast immer Opfer. Von Umständen und Gelegenheiten, Freunden und Feinden, Ratgebern, Scharlatanen und Schmarotzern.

          Vor einem Jahr, kurz vor seinem vierzigsten Geburtstag, stellte Maradona in Buenos Aires seine Memoiren vor. Sie tragen den Titel "Ich bin der Diego" (Yo soy el Diego), und man sollte ergänzen: ... der kleinen Leute. So war das Buch konzipiert: als Plauderei mit seinesgleichen, mit Leuten aus den einfachen Verhältnissen, denen auch er in einem Vorstadtbezirk von Buenos Aires entstammte und denen er erklären wollte, wie sein Fußballerleben aus seiner Sicht ablief.

          Maradona hat das Buch natürlich nicht selbst verfaßt. Der Band enthält vielmehr die Niederschrift von Tonbandprotokollen, die die beiden Sportjournalisten Daniel Arcucci und Ernesto Cherquis Bialo nicht ohne Geschick in eine lesbare Form gebracht und dramaturgisch bearbeitet haben. In der Endgestalt des Bandes ist jedoch nicht auszumachen, was Maradona wirklich gesagt hat und was ihm die beiden Mitautoren in den Mund gelegt haben. In seinen Memoiren erzählt der Fußballer in der Ich-Form, wie alles anfing, wie er sein Talent entdeckte und wie er immer tiefer in den Profifußball mit all seinen Fallstricken hineinglitt. Zu seiner Drogenabhängigkeit findet sich die bemerkenswerte Erkenntnis: "Wenn jemand da reinrutscht, dann will er das eigentlich nicht, und doch sagt er irgendwann ja."

          Als das Buch in Argentinien herauskam und die Verkaufszahlen sogleich Rekordhöhen erklommen, hatte Maradona gerade den Tiefpunkt seines Lebens erreicht. Er war Monate zuvor mit einer Überdosis Rauschgift im Körper und schweren Herzschäden ins Krankenhaus gebracht worden. Darauf begann er in Kuba, auf persönliche Einladung des Revolutionsführers Fidel Castro, ein umfangreiches Entziehungs- und Rehabilitationsprogramm, das er eigens für die Buchvorstellung in Buenos Aires unterbrach. In der ersten Zeit nach seiner Einlieferung konnte es geschehen, daß Maradona mitten in der Nacht ein Fernsehteam ans Krankenbett beorderte und in stundenlangen Interviews mit schwer verständlicher Stimme und in etlichen Wiederholungsschleifen all das aus seinem Leben preisgab, was ihm gerade einfiel.

          Damals mochte die Idee geboren worden sein, die Erinnerungsfetzen und Gedanken zusammenzutragen, zu ordnen und zu einer Lebensgeschichte zusammenzufügen. Das besorgten dann während der Rehabilitation auf Kuba die beiden Journalisten. Als Voraushonorar allein für die spanischsprachige Originalausgabe zahlte der Verlag Maradona eine Million Dollar. Jetzt ist die deutsche Übersetzung des Buches erschienen. Sie bewahrt den Plauderton des Originals, mit den an den Leser in vertraulichem Ton gerichteten rhetorischen Fragen ("wißt ihr?"), den Zwischenrufen ("zack, peng, pah") und manchen ordinären Wendungen ("ein Tor reinmachen"). Aber diese umgangssprachlichen Formen und Formeln werden vergleichsweise sparsam verwendet, Arcucci und Cherquis Bialo hatten schon bei ihrer redaktionellen Arbeit am spanischen Original Stilgefühl bewiesen. Die deutsche Übersetzung hält sich daran.

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