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Rezension: Sachbuch : Wer nicht tauschen will, muß fühlen

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Am 5. Januar 1720 stand John Law auf dem Scheitelpunkt seines Ruhms: Herzog Philipp von Orléans, Regent Frankreichs bis zur Volljährigkeit Ludwigs XV., hatte ihn zum Generalkontrolleur der Finanzen ernannt, zum ersten Minister der mächtigsten Nation Europas. Laws Aufstieg zur Macht ebenso wie sein Sturz sind verbunden mit einem der größten Skandale der Bank- und Börsengeschichte.

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          Am 5. Januar 1720 stand John Law auf dem Scheitelpunkt seines Ruhms: Herzog Philipp von Orléans, Regent Frankreichs bis zur Volljährigkeit Ludwigs XV., hatte ihn zum Generalkontrolleur der Finanzen ernannt, zum ersten Minister der mächtigsten Nation Europas. Laws Aufstieg zur Macht ebenso wie sein Sturz sind verbunden mit einem der größten Skandale der Bank- und Börsengeschichte. Das von den Kriegen Ludwigs XIV. ruinierte Frankreich stöhnte unter der Schuldenlast. Als Gegenmittel verordnete Laws Vorgänger inflationäre Münzverschlechterungen. Wer sein Geld zurückhielt oder ins Ausland schaffte, konnte aufs Rad geflochten, auf die Streckbank geschnallt, an den Pranger gestellt, gehenkt oder auf die Galeeren verschickt werden. Das Inflationsproblem löste Law, indem er es durch Papiergeld radikalisierte. Gedeckt war seine neue Papierwährung nicht mehr durch Gold, sondern durch den Traum vom El Dorado. Law erwarb die Konzession zur Ausbeutung der damaligen französischen Kolonie Louisiana. Im Glauben, bares Gold zu erwerben, zeichneten die Anleger massenhaft die Aktien seiner 1719 gegründeten "Mississippi-Kompanie", die den Überseehandel mit Tabak, Sklaven und anderen Gütern monopolisierte. Im Dezember 1718 wurde Laws Privatbank zur staatlichen "Banque Royale". Die Kontrolle über die Menge der ausgegebenen Banknoten war jetzt absolutistischer Willkür anheimgegeben, und John Law war kein Wim Duisenberg, der dem Herzog von Orléans Unabhängigkeit abgetrotzt hätte. Eine soeben ins Deutsche übertragene, sehr volkstümliche Biographie lobt die Verdienste des Geldtheoretikers Law - eine vergriffene Auswahl seiner Schriften erschien im Akademie Verlag, die autoritative Biographie schrieb der Wirtschaftshistoriker Antoin E. Murphy -, schildert aber nur die anekdotische Seite des Lebens dieses casanovahaften Libertins, der als Sohn eines schottischen Goldschmieds und Bankiers geboren wurde und sich als Glücksspieler an den Höfen und Handelsstädten Europas herumtrieb, während er seine Theorie der Geldvermehrung erdachte (Janet Gleeson: "Der Mann, der das Geld erfand". Aus dem Englischen von Michael Müller. Kreymayr und Scheriau Verlag, Wien 2001. 318 S., geb., 20,- ). Rund um die Uhr wurde also gedruckt - damit das Volk, meistens auf Kredit, Aktien kaufen konnte und Law die exorbitanten Dividenden seiner Kolonialgesellschaft würde ausschütten konnte. Die warf außer großen Erwartungen nichts ab - aber das reichte, damit sich der Wert der Anteile innerhalb weniger Monate vervielfachte. Noch im selben Jahr erwarb Law das Recht zur Steuereinnahme in Frankreich und brachte dazu neue Mississippi-Aktien im Wert von fast der Hälfte der französischen Staatsschuld an den gierig danach lechzenden Mann - zu Tausenden strömten die Leute aus der Provinz und dem Ausland nach Paris, um schnell reich zu werden. Law konnte so die Staatsschulden günstig refinanzieren. Die Inflationsorgie tat der französischen Wirtschaft, wie von Law prophezeit, gut, aber der Erfolg des Papiergeldes beruhte nicht auf Vertrauen in die Königliche Bank, sondern nur auf den kolonialen Phantasien. Um das Land zu erschließen, wären jedoch Siedler nötig gewesen. Law ließ Verbrecher, Landstreicher, Prostituierte, Arbeitslose, Waisenkinder und Armenhäusler zwangsweise nach Louisiana deportieren. Anstatt dort Bodenschätze zu heben, wurden sie von Skorbut, Ruhr, Malaria und Gelbfieber gequält, und als sich das herumsprach, wurde auch der Wert der Aktien schließlich wie von einer Epidemie dahingerafft. Um die Inflation einzudämmen, ergriff Law im Stil seiner Vorgänger die bekannten drakonischen Quarantänemaßnahmen, die das Übel verschlimmerten: Er verbot, Münzen auszuführen, Edelsteine zu kaufen und größere Goldbestände zu horten; er beschloß, Gold- und Silbermünzen innerhalb einer Übergangsfrist von einigen Monaten ganz abzuschaffen und nur noch Papiergeld zuzulassen; das Papiergeld wurde auch noch abgewertet. Die Folgen waren fast so schlimm wie die der Pest, die ebenfalls 1720 ausbrach. Am ersten November 1720 endete das System des Papiergelds in Frankreich, die Staatsbank wurde geschlossen. Besitzer von Staatsanleihen und Aktien waren ruiniert, aber die Schulden der Krone hatten sich um zwei Drittel verringert - allerdings auf Kosten langfristig höherer Zinssätze für französische Staatsanleihen.

          CHRISTOPH ALBRECHT

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