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Rezension: Sachbuch : Wenn der Fürst katholisch wird

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Neues aus dem Alten Reich: Studien zum konfessionellen Gegensatz und zum sehr frühen Liberalismus

          Das eigentliche Wunder des Dreißigjährigen Krieges war die Tatsache, daß das Reich beisammen blieb und nicht durch den konfessionellen Gegensatz auseinandergerissen wurde. Das war die große Leistung des Westfälischen Friedens von 1648. Natürlich konnte auch er den konfessionellen Gegensatz nicht aus der Welt schaffen, aber er konnte das Zusammenleben dreier verschiedener Konfessionen, von Katholiken, Lutheranern und Reformierten, im Reich dergestalt regeln, daß nach menschlichem Ermessen ein neuer Religionskrieg vermieden werden konnte.

          Wie nicht anders zu erwarten, bedeutete dies nicht, daß es in der Zeit zwischen 1648 und 1806 keine Religionskonflikte mehr gab. Ja, man wird sagen können, daß sie die Reichspolitik beherrschten. Konversionen von Fürsten zum Katholizismus und die im Frieden von Ryswick 1697 von Frankreich im letzten Augenblick erzwungene Klausel, wonach die in den von Frankreich seit 1682 annektierten Gebieten der Pfalz eingeführte katholische Konfession bei der im Frieden ausgemachten Rückgabe erhalten bleiben müsse, gaben bis weit ins achtzehnte Jahrhundert Anlaß zu Streit. Die Protestanten sahen darin einen Bruch des Westfälischen Friedens, der die Konfessionsgrenzen im Reich nach dem Zustand von 1624 festgeschrieben hatte. Die Katholiken und insbesondere der Kurfürst von der Pfalz benutzten die Klausel zu einer Katholisierung des Landes. Auf diesem Hintergrund ergab sich eine Fülle von Anlässen zu konfessionellem Streit, die den Reichstag in Regensburg beschäftigten und zum Alltag der Reichspolitik gehörten.

          Zwei Veröffentlichungen der letzten Zeit - Jürgen Luh, "Unheiliges Römisches Reich", und Christoph Schäfer, "Das Simultaneum" - beschäftigen sich mit diesem Problem. Jürgen Luh überrascht seine Leser mit der Feststellung, die historische Forschung habe sich bei der Behandlung dieses Themas ausschließlich mit der Ausbildung toleranter Denkweisen, der Entwicklung des modernen Staates und dem österreichisch-deutschen Dualismus beschäftigt. Kein Werk, das sich mit der Geschichte des Reiches ernsthaft in den letzten dreihundert Jahren befaßte, konnte aber den konfessionellen Gegensatz außer acht lassen. Luh selbst zählt in seinem Literaturverzeichnis über hundert Arbeiten auf, die sich schon im Titel damit auseinandersetzen. Es ist ein Thema, das eine zusammenfassende Darstellung durchaus lohnt. Eben dieses aber leistet Jürgen Luhs Buch nicht. Statt der Geschichte der einzelnen Konflikte nachzugehen und sie in einen größeren Zusammenhang zu stellen, bleibt es bei einer reinen Aufzählung, in der alles durcheinandergeht. Eine wenig durchdachte Gliederung, ein völlig unzureichendes Inhaltsverzeichnis und ein miserables Register verhindern das Zurechtfinden.

          Das Simultaneum

          So steht man am Ende vor einem Buch, das zwar fleißig alle Religionskonflikte aufzeichnet, aber weder imstande ist, deren Bedeutung klarzumachen, noch irgendwelche Entwicklungslinien aufzuzeigen. Daß im achtzehnten Jahrhundert der protestantische Kirchenbau andere Wege ging als die Barock- und Rokokoarchitektur in Süddeutschland, ist schließlich auch keine neue Erkenntnis, die es lohnt, über fünfundzwanzig Seiten auszubreiten. Aufwand und Erfolg dieses Werkes steht in keinem Verhältnis zueinander. Mit großem Fleiß hat der Verfasser die einschlägige Literatur verarbeitet und Akten aus dem sächsischen Staatsarchiv herangezogen, die bisher noch nicht bearbeitet wurden.

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