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Rezension: Sachbuch : Was heißt denn hier christlich?

  • Aktualisiert am

Martin Bauschke auf den Spuren des koranischen Jesus

          4 Min.

          Obwohl Martin Bauschke erklärt, seine Arbeit über das Jesus-Bild des Islam verstehe sich "nicht als rein akademisches Werk", so sollte doch mehr als die Hälfte des Buches als rein akademische Analyse gelesen werden: die Kapitel über "Die Christologie des Korans" und "Die Rezeption der Christologie des Korans in der deutschsprachigen Theologie". Eingerahmt werden diese zwei gelehrten Studien von einem Kapitel über die Vorgeschichte der heutigen christlich-islamischen Begegnung so wie von einem Kapitel mit Reflexionen über die theologische Relevanz des christlichen Dialogs mit dem Islam. In den mittleren Abschnitten bemüht sich der Autor um Objektivität, er nähert sich seinem Gegenstand "nicht theologisch, sondern phänomenologisch", in den Randkapiteln wird die akademische Distanz aufgegeben, und der Autor schreibt mit "innerer Beteiligung und Anteilnahme", also theologisch.

          Das Kapitel über das Jesusbild des Korans ist eine detaillierte Analyse aller koranischen Aussagen (hundertundacht Verse in fünfzehn Suren) über Jesus. Wichtige arabische Begriffe folgen der Übersetzung auch in Transkription, der umfangreiche Anmerkungsapparat verarbeitet die Forschungsliteratur in breitem Umfang, auch unter Hinzuziehung muslimischer Kommentare. Verschiedene Exkurse (zur islamischen Prophetologie und zur Lehre von der Wiederkunft Jesu in islamischer Auslegung) komplementieren das Kapitel, wobei der Autor sorgfältig unterscheidet zwischen dem Jesusbild des Korans und dem der muslimischen Tradition. Die unpolemische Zusammenfassung der Ergebnisse der Analyse zeigt: Jesus im Koran ist nur Mensch, irdisches und sterbliches Geschöpf, dem weder Gottähnlichkeit noch Gottgleichheit zugesprochen werden kann. Der Koran widerspricht den Berichten, Jesus sei gekreuzigt worden, und er streitet gegen jede Art von Christuskult. Jesus im Koran ist ausschließlich Diener und Prophet Gottes, ein "Zeigefinger" auf Gott, doch stellt Jesus "sich nicht selber in den Mittelpunkt seiner Botschaft".

          Bauschkes Analysen sind hervorragend - aber "nötigt" gerade dieser "nichtchristliche und nichtkirchliche Jesus" die christlichen Theologen heute, ihren Jesus an dem koranischen zu messen und theologisch neu zu bedenken? Genau dieses fordert der Autor im Schlußteil seines Buches. Er erkennt in dem Jesus des Korans "den historischen Jesus von Nazareth wieder", und er fordert die christliche Theologie auf, sich durch den Koran "in ihrem eigenen Nachdenken über Jesus inspirieren und befruchten" zu lassen. Die "koranische Christologie" wird so zu einem Instrument der Kritik an der christlichen Verkündung der Kirche. Der Autor postuliert, man solle die Aussagen über Jesus im Koran nicht mit dieser Verkündigung vergleichen, sondern allein mit den Aussagen des Neuen Testaments. Mit Hans Küng ruft er "zurück zu den Ursprüngen". Das Fundament eines christlich-islamischen Dialogs könne nur lauten "solae scripturae". Das ist die theologische These des Buches - und allein diese erlaubt einen Vergleich der koranischen mit den christlichen Aussagen über Jesus. Aber was bedeutet dann christlich? Als Untertitel von Bauschkes Studie wäre vielleicht doch "das koranische Jesusbild" angemessener gewesen als "die Christologie des Korans".

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