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Rezension: Sachbuch : Von der Freiheit eines Christenmenschen

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Die Bekenntnisse des Moraltheologen Bernhard Häring

          Der bald fünfundachtzigjährige Redemptoristenpater und Moraltheologe Bernhard Häring stellt seine Lebensgeschichte als Glaubensgeschichte, als "Geschichte meiner Glaubenserfahrungen inmitten der Fährnisse des Lebens" dar, die bei seinen "tiefgläubigen und glaubensfrohen Eltern" beginnt, denen zwölf Kinder - Bernhard war das vorletzte - geschenkt waren. Häring sieht in seinem Leben keine Zufälle walten, sondern hinter allem, was geschieht, die Vorsehung Gottes, der gegenüber er nur eines kannte: bedingungslosen Gehorsam. Die göttliche Vorsehung verspürte der Pater besonders deutlich in den Jahren des Krieges, den er als Sanitäter der Wehrmacht bei Einsätzen in Deutschland, Frankreich, Polen und Rußland mit einer leichten Verwundung überlebte. Wo es nur möglich war, betätigte Häring sich auch als Seelsorger, für die Soldaten ebenso wie für die Zivilbevölkerung. Sein pastorales Interesse kannte keine konfessionellen Grenzen. Mit Selbstverständlichkeit hielt er Bibelabende für evangelische Christen und taufte orthodoxe Kinder.

          Häring verspürte schon zu Beginn seines Theologiestudiums den Wunsch in sich, Missionar zu werden. Doch seine Ordensoberen wollten ihn als Dozenten für Moraltheologie sehen. Sogleich nach dem Krieg begann der Pater bei Theodor Steinbüchel in Tübingen das Promotionsstudium und beendete es nur zwei Jahre später mit großem Erfolg. Aus Unzufriedenheit mit den Lehrbüchern seiner Disziplin hatte er schon in der Studienzeit begonnen, ein mehrbändiges Lehrbuch zu erarbeiten, das 1954 unter dem Titel "Das Gesetz Christi" (drei Bände) zu erscheinen begann, mehrere Auflagen erlebte und in zwölf Sprachen übersetzt wurde. Allein schon der Titel "Frei in Christus" (1979 bis 1981), den er der ebenfalls drei Bände umfassenden grundlegenden Überarbeitung (1979 bis 1981) gab, zeigt den Grundsatz an, unter den er die gesamte Morallehre gestellt sehen wollte.

          Neben der Lehrtätigkeit an der Ordenshochschule in Gars begann Häring 1950 an der von ihm mitbegründeten Academia Alfonsiana in Rom, einem Institut zur Heranbildung künftiger Morallehrer, Religionssoziologie und Moraltheologie zu dozieren. Daß er ungewohnte Wege einschlug, zeigte sich, als er den Studenten Kurse wie diese anbot: "Bekehret euch und glaubt an das Evangelium" und "Was katholische Moraltheologie von den Orthodoxen und den aus der Reformation hervorgehenden Kirchen lernen kann". Kein Wunder, daß der Redemptorist bei manchen Hörern in den Verdacht eines "Kryptoprotestanten" geriet. Doch für Häring galt lebenslang der Grundsatz: "Lernbereitschaft bringt gegenseitige Bereicherung."

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