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Rezension: Sachbuch : Und ewig schläft Dornröschen

  • Aktualisiert am

          Der Herr im Fond ist nicht bekannt. Anders die Liegende im Vordergrund. Über Norma Jean Mortenson wissen wir fast alles - von dem Moment an, da sie sich in Marilyn Monroe verwandelte. Hier schläft die blonde Bestie, friedlich wie ein Kätzchen. Tatsächlich ist das wahre Raubtier auf diesem Bild aber die dritte Person, die Dame hinter der Sonnenbrille. Ihr Name ist Paula Strasberg, sie ist die Frau von Lee Strasberg, dem Theater-Guru vom "Actor's Studio". Aber auch sie, die als Marylins Betreuerin, Seelsorgerin und Wachhund fungierte, soll viel von einem autoritären Guru gehabt haben. Im Team hieß die immer Schwarzgekleidete "Black Bart", Schwarzbart, oder einfach nur "Bart".

          Dabei war das Team, das in der Wüste von Nevada einen Film drehte, selbst kein Mädchenpensionat. John Huston, der Regisseur, spielte, rauchte und soff Nächte hindurch, vor allem gegen Ende hin - ein Ende, das nicht kommen wollte, weil sich die Dreharbeiten immer wieder verzögerten. Clark Gable, sein Hauptdarsteller, raste wie ein Lebensmüder mit seinem Benz herum. Im Zentrum aber stand ein Paar, das keins mehr war. Im Verlauf der Dreharbeiten zerfiel der Traumbund von Schönheit und Geist, die Ehe von Marilyn Monroe und Arthur Miller. Dabei hatte Miller das Drehbuch als Geschenk an seine Frau geschrieben, die sich "mit einem Teil ihres Wesens", wie der französische Filmkritiker Serge Toubiana zierlich bemerkt, nach einer seriösen Rolle sehnte.

          Die existentielle Verlorenheit, von der die "Misfits" handeln, teilte sich in den langen Wochen in Nevada allmählich der gesamten Gruppe mit. "Alle am Film Beteiligten", fand ein Beobachter, "waren misfits, einsam und verloren. . . sie alle steuerten irgendwie auf die Katastrophe zu. Man glaubte sich auf der eigenen Beerdigung."Nur einige Randfiguren scheinen vom allgemeinen Liebeszerfall profitiert zu haben: die Fotografen der Agentur "Magnum", die das Entstehen des Films begleiteten, unter ihnen Cartier-Bresson und Inge Morath. "Die Fotos werden immer interessanter, wenn die Leute etwas aufgelöst und nicht ganz an ihrem vorgeschriebenen Platz sind", bemerkte Elliott Erwitt. Er hatte Recht: Selten hat die Melancholie attraktiver ausgesehen als in diesem Band. (Arthur Miller, Serge Toubiana: "The Misfits". Nicht gesellschaftsfähig. Die Entstehungsgeschichte eines Films von Magnum Fotografen dokumentiert. Verlag Kehayoff, München 2000. 192 S., Abb., 58,- DM.)

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