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Rezension: Sachbuch : Und er war groß im Lande Ägypten

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Moses kündete von dem einzigen Gott - Jan Assmann hält Fürsprache für die Götzen der Heiden / Von Franziska Augstein

          Von allen Plagen, welche die Kultur des Abendlandes sich selbst auferlegt hat, wirkten wenige so fürchterlich wie das erste Gebot. Die Unduldsamkeit gegenüber anderen Göttern war etwas Neues. Die polytheistischen Religionen der Antike konnten ihr sakrales Pantheon mühelos in die Götterhimmel fremder Kulte übersetzen. Mit der monotheistischen Ausschließlichkeit, schreibt Jan Assmann, sei "die Unterscheidung . . . zwischen wahrer Religion und Götzendienst" in die Welt gekommen. Es war der Sündenfall der Theologie. Assmanns Buch über Moses den Ägypter sehnt sich nach Erlösung von der Streitsucht, die alle Völker überkam, die ihren einen Gott für den einzigen hielten.

          Der Überbringer einer Botschaft ist oft zu Unrecht mit derselben identifiziert worden. Im Falle des Moses stimmt der Topos allerdings. Der Gesetzgeber brachte die Tafeln vom Berg Sinai und mit ihnen das, was Assmann die "Mosaische Unterscheidung" nennt: die Order, zwischen dem "wahren" Gott und den "falschen" Götzen zu trennen. Der Urtext dieser Revolution in der Religion ist die Geschichte vom Exodus, vom Auszug aus der ägyptischen Kultur. Sie machte "Ägypten zum Symbol des Ausgegrenzten, Verworfenen, religiös Unwahren und zum Inbegriff des ,Heidentums'".

          Angesichts des unversöhnlichen Gegensatzes zwischen der Vielgötterei im Land Mizraim und der biblischen Offenbarung mußte es der christlich-jüdischen Theologie zu denken geben, daß Moses selbst, wie die hebräische Bibel bezeugt, "groß im Lande Ägypten" war. Was hat diese Stelle zu bedeuten, und was der Hinweis im Neuen Testament, Moses sei "in aller Weisheit der Ägypter" ausgebildet worden? War Moses ägyptischer Abstammung? War er gar vom Kultus der Ägypter geprägt? Diese Fragen haben Polyhistoren und Philosophen seit der Antike beschäftigt. Von ihren Antworten handelt Assmanns Buch.

          Es geht um ein Drama im Weltmaßstab, um einen Kampf von titanischer Wut: hier das polytheistische Leben und leben lassen - dort die Engstirnigkeit des absolutistischen Monotheismus. Der politische Pluralismus der modernen Demokratie wird diesertage gelegentlich auf den Polytheismus projiziert. Der Gedanke steht moralisch hoch und ist intellektuell sehr flach. Den ethischen Schuh zieht Assmann sich an, sein grobschlächtiges Gegenstück läßt er aber links liegen. Manchmal macht er den Eindruck, als gehe er auf einem Socken durch seine Geschichte. Ähnliches gilt für den Monotheismus: Aus dem könnte die Menschheit, selbst wenn es gewünscht würde, nicht aussteigen. Dafür plädiert Assmann denn auch nicht. Wofür aber dann?

          Alle jene Denker, so sein Kalkül, die Moses' Herkunft aus Ägyptenland nicht wegredeten, haben zur Rehabilitierung des verachteten Ägypten und seiner Vielgötterei beigetragen und damit, könnte man sagen, das Gesprächsklima verbessert. "Moses der Ägypter" spürt Theorien auf, die der Verunglimpfung der ägyptischen Idolatrie entgegenwirkten. In der historischen Metamorphose der Moses-Rezeption von Maimonides bis Sigmund Freud sucht das Buch nach den Anzeichen für eine Mäßigung der Mosaischen Unterscheidung.

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