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Rezension: Sachbuch : Tunnelsystem der Memoria: Die Katakomben

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          Die römischen Katakomben sind einer der beeindruckendsten und dazu besterhaltenen archäologischen Komplexe der antiken Welt. Ihre bisher bekannt gewordenen über sechzig Anlagen durchziehen mit ihren verzweigten Gängen den Untergrund der heutigen Millionenstadt Rom auf einer Länge von mehreren hundert Kilometern. Davon sind zirka 170 Kilometer mit 750000 Gräbern freigelegt. Ihre Betreuung obliegt nach den Lateranverträgen von 1929 dem Heiligen Stuhl. Daß es sich bei den Katakomben nicht, wie von der romantischen Literatur des neunzehnten Jahrhunderts fälschlich verbreitet, um geheime Zufluchtsorte der verfolgten Christen, sondern um unterirdische Friedhofsanlagen handelt, dürfte mittlerweile allgemein bekannt sein. Für christliche Pilger besitzen diese Stätten der noch nicht konfessionell gespaltenen alten Christenheit ihre Anziehungskraft auch deshalb, weil sich in ihnen die Gräber von etwa fünfzig Märtyrern befinden.

          Die Päpstliche Kommission für Christliche Archäologie hat dem Regensburger Verlag Schnell & Steiner die offizielle Veröffentlichung über die christlichen Katakomben der Stadt Rom zum Jubiläumsjahr 2000 übertragen. Drei am Päpstlichen Institut für Christliche Archäologie lehrende Autoren, zu deren täglicher Arbeit die Erschließung, Erforschung und Sicherung der Katakomben gehört, stellten auf hohem Niveau den neuesten Kenntnisstand dar. Vincenzo Fiocchi Nicolai behandelt die Entwicklung der Katakomben bis zu ihrer Aufgabe und ihrem Verfall im frühen Mittelalter, Fabrizio Biscontin die Malereien, ihre christlichen und heidnischen Themen, deren wechselseitige Beeinflussung und ihre oft fließenden Übergänge, Danilo Mazzoleni schließlich den Inhalt der Grabinschriften mit ihren interessanten Aufschlüssen über den Alltag der frühen Christen.

          Exzellent sind die Farbabbildungen, die den Zustand nach den Restaurierungen der letzten Jahre wiedergeben. Neben den Katakomben von Marcellino e Pietro sind die Fresken der Commodilla-Katakombe und der Anonymen Katakombe an der Via Anapo bearbeitet worden, die dem allgemeinen Publikum nicht zugänglich sind. Diese Publikation eines deutschen Verlages, die gleichzeitig in italienischer Sprache erschienen ist und vom Frühjahr 1999 an auch in englischer, französischer und spanischer Sprache vorliegen soll, fügt sich in eine lange Reihe deutscher Beiträge zur Katakombenforschung ein, wie ein Blick in das Literaturverzeichnis zeigt. Sorgen bereiten heute der für das Jubiläumsjahr 2000 erwartete Ansturm von Besuchern und die damit verbundene Belastung der Malereien in den für den allgemeinen Besuch freigegebenen vier Katakomben - für den Besuch der übrigen ist eine Sondergenehmigung erforderlich -, denn diese Anlagen wurden nicht für moderne Besuchermassen geschaffen und mit Fresken geschmückt, sondern als Friedhöfe und stille Gedenkstätten. Unsere Abbildung zeigt den Friedenswunsch für eine Bincentia, daneben ein Christogramm, einen Brotkorb und die weltberühmte Taube Noahs, aus der Katakombe von San Sebastiano. ERWIN GATZ

          Vincenzo Fiocchi Nicolai, Fabrizio Biscontin, Danilo Mazzoleni: "Roms christliche Katakomben". Geschichte - Bilderwelt - Inschriften. Verlag Schnell & Steiner, Regensburg 1998. 208 S., 144 Farb-, 37 S/W-Abb., Pläne, Strichzeichnungen, geb., 58,- DM.

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