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Rezension: Sachbuch : Sturm und Strom

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Matthias Heymann erzählt die Geschichte der Windenergienutzung / Von Georg Küffner

          4 Min.

          Nicht nur Landwirte, die auf ihren Wiesen Windräder aufgestellt haben und außer Weizen auch Kilowattstunden ernten, werden sich dafür interessieren, warum diese Technik in den letzten 100 Jahren nie so richtig auf die Beine gekommen ist. Auch wer von seiner guten Stube auf eine - wie sie heute heißen - Windkraftanlage blickt oder während seines Urlaubs an der deutschen Küste die bei steifer Brise wild um sich schlagenden Stromerzeuger beobachtet, erfährt interessante Details, wenn er das von dem an der Universität Stuttgart arbeitenden Umwelthistoriker Matthias Heymann verfaßte Buch über die Geschichte der Windenergienutzung liest. Um es gleich vorwegzunehmen: Den Grund für den bisherigen "Mißerfolg" der Windenergie sieht Heymann nicht in den hohen Kosten, nicht in dem wenig steten Angebot und auch nicht in der geringen Energiedichte des Windes, sondern in den energiewirtschaftlichen Rahmenbedingungen und darin, daß von der Forschungspolitik großtechnische Konzepte wie etwa die Kerntechnik bevorzugt werden.

          Wie alle erneuerbaren Energien, die von nicht zu beeinflussenden natürlichen Rahmenbedingungen abhängen, ist auch die Windenergie eine wenig anpassungsfähige Technik. Ob Heymann jedoch mit der Einschätzung richtig liegt, daß vor allem eine monopolistisch organisierte, flächendeckende zentrale Elektrizitätsversorgung der größte Feind der Windenergienutzung ist, muß bezweifelt werden. Und ob in Dänemark und in Schleswig-Holstein der Anteil der Windenergienutzung an der Elektrizitätserzeugung jemals auf die geplanten zehn Prozent gesteigert werden kann, was dann auch das technisch machbare Maximum darstellen würde, bleibt abzuwarten.

          Denn - und dieser Eindruck verstärkt sich immer mehr - die Windenergienutzung trifft zunehmend auf Ressentiments: Die Windräder zerstören das Landschaftsbild, behindern den Vogelflug und machen Lärm, so die gängigen Argumente. Widerstand kommt auch von den Energieversorgungsunternehmen, müssen sie doch bei einem weiteren Zubau von Windrädern an der windreichen Küsten ihre Versorgungsnetze verstärken, was viel Geld kostet und die Renditen tendenziell schmälert. Und dabei kann der existierende Kraftwerkspark konventioneller Anlagen kaum verkleinert werden, muß doch eine bestimmte Leistung vorgehalten werden und bei Windstille kurzfristig zur Verfügung stehen.

          Windenergie ist und bleibt eine Randerscheinung. Das war einmal völlig anders. Mitte des letzten Jahrhunderts drehten sich in Europa rund 200000 Windmühlen, etwa zehn Prozent davon allein auf deutschem Boden. Im vorindustriellen Europa zählte damit die Windmühle neben dem Wasserrad zu den wichtigsten Arbeitsmaschinen und tat gute Dienste beim Mahlen von Korn, beim Holzsägen und beim Wasserpumpen, also bei Arbeiten, die zur Not immer dann verrichtet werden konnten, wenn der Wind ausreichend stark blies. Mit dem Aufkommen von Dampfmaschine und Dieselmotor wurden die Windmühlen rasch aufs Abstellgleis gedrängt. Daran vermochten auch die zu Beginn dieses Jahrhunderts vor allem in Amerika aufgekommenen vielflügeligen Windmotoren nichts zu ändern: Sie waren mit der damals zur Verfügung stehenden Technik lediglich in der Lage, Gleichstrom zu erzeugen. Und nachdem man sich beim Aufbau der flächendeckenden Verteilnetze für den weitgehend verlustfrei zu transportierenden Wechselstrom geeinigt hatte, war endgültig klar, daß für die Energieversorgung der kleinen und leichten sowie zu jeder Zeit ein- und auszuschaltenden Elektromotore die Windkraft keine Chance hatte.

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