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Rezension: Sachbuch : So hübsch vollmundig kann Antike klingen

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Die Autoren dieses lange vor dem 11. September verfaßten Buches suchen zumindest programmatisch unverkennbar das Aktuelle in der Alten Geschichte. Der Untertitel könnte auch eine Studie zum bipolaren Weltsystem nach 1945 zieren, und einleitend wird der ethno- und nomozentrische Barbarenbegriff der Hellenen tüchtig in Frage gestellt.

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          Die Autoren dieses lange vor dem 11. September verfaßten Buches suchen zumindest programmatisch unverkennbar das Aktuelle in der Alten Geschichte. Der Untertitel könnte auch eine Studie zum bipolaren Weltsystem nach 1945 zieren, und einleitend wird der ethno- und nomozentrische Barbarenbegriff der Hellenen tüchtig in Frage gestellt. Das in römischer Zeit dann noch stärker artikulierte Überlegenheitsgefühl westlicher gegenüber östlicher Zivilisation sei von Sendungsbewußtsein und der Ordnungsidee eines Weltstaates mit Universalanspruch getragen worden, dem Lebensform, Religion, Sprache und politische Kultur "des Orientalen" fremd geblieben seien. Solche Blockaden gelte es wenigstens nun zu beseitigen, denn "angesichts fortschreitender Technisierung, neuer Kommunikationsformen und einer zunehmenden globalen Vernetzung von Politik und Wirtschaft, von Gesellschaft und Kultur scheint die Bereitschaft, sich ,dem Fremden' zu öffnen, eine neue Dimension anzunehmen".

          Und wer wollte sich verweigern, der aufgefordert wird, "das Wesen und die Eigenarten eines anderen Kulturkreises zu verstehen, Spannungen friedlich auszutragen, durch Handeln und Verhandeln, durch Aufklärung und Selbstreflexion"? Was auf dem Evangelischen Kirchentag nicht schöner hätte gesagt werden können, mündet schließlich in ein freilich recht verquer formuliertes Programm: "Die Beziehungen des Westens zum Osten sind folglich auf eine Grundlage zu stellen, die die Geschichte des Ostens berücksichtigt und nicht in Abhängigkeit setzt von den eigenen Erfordernissen."

          Ganz praktischen Erfordernissen von Studium, Lehrerfortbildung, Unterrichtsvorbereitung und Projektunterricht - so die Zielfelder der Reihe - genügt der Aufbau des Bandes (siehe F.A.Z. vom 1. Februar 1999). Auf eine knappe, faktenreiche Darstellung folgt ein fast viermal so umfangreicher Materialteil mit übersetzten Texten und Bildzeugnissen, die ausführlich interpretiert und eingeordnet werden. Man kann die kenntnisreiche Präsentation der meist entlegenen, in teils exotischen Sprachen verfaßten Quellen durch die beiden Autoren gar nicht genug bewundern. Der Titel des Buches ist jedoch irreführend, da fast ausschließlich die Zeit des Sassanidenreiches von seiner Gründung im Jahr 224 nach Christus bis zur arabischen Eroberung im siebten Jahrhundert behandelt wird, während sich die Beziehungen zum arsakidischen Partherreich, das als "Vorgänger" der Sassaniden immerhin fast drei Jahrhunderte lang unmittelbarer Nachbar und gefährlichster Gegner des Imperium Romanum war, mit einem kurzen Vorspann begnügen müssen.

          Doch auch so entfaltet sich vor dem Leser eine farbige und wechselvolle Geschichte. So waren die Sassaniden etwa der erste und einzige Gegner Roms, dem es gelang, sich im Krieg eines veritablen Kaisers zu bemächtigen. Valerian starb wahrscheinlich in persischer Gefangenschaft. Der berühmte Kaiser Julian verlor sein Leben im Kampf gegen Sapur II. auf dem Schlachtfeld und mit ihm das Römische Reich die Chance einer paganen Restauration - jedenfalls in den Phantasien antiklerikaler Historiker vergangener Zeiten. Kurz nach seiner größten Ausdehnung wurde das Sassanidenreich Anfang des siebten Jahrhunderts vom wiedererstarkten Byzantinischen Reich entscheidend besiegt, oder besser: sturmreif gemacht für den Angriff der Araber wenige Jahre später.

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