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Rezension: Sachbuch : Sein Leben in Bildern

  • Aktualisiert am

          Ein Foto dieser Seite zeigt das Porträt des Kritikers als Jüngling im Strandbad. Jenseits aller triumphal bis ins Heute weisenden Symbolik aber hält es 1936 auch schon einen Augenblick der Erniedrigung fest: Der sich hier am Stölpchensee ablichten lässt, wäre lieber am Wannsee schwimmen gegangen. Am dortigen Freibad indes hing bereits das Schild "Juden unerwünscht". "jüd.", "Abgel." wird zwei Jahre später ein Bürokrat unter das Aufnahmegesuch an die Friedrich-Wilhelms-Universität setzen.

          Das Jahr 1938 markiert denn auch den Lebensbruch des Marcel Reich: Auf die Ablehnung in Deutschland folgten zunächst die Deportation nach Polen und später die Einweisung ins Warschauer Ghetto. Marceli Ranicki nannte er sich nach dem Krieg, als das Wort "Reich" in polnischen Ohren den fürchterlichsten Klang erzeugen musste. Der Name Reich-Ranicki, den er seit der Rückkehr aus Polen führt, ist nicht nur zum Markenzeichen geworden, hat seinen Träger nicht nur berühmt gemacht: Er ist zugleich auch der Versuch einer Synthese höchst disparater Lebensbahnen im Banne und im Geist der deutschen Literatur.

          In wenigen Tagen wird Marcel Reich-Ranicki achtzig Jahre alt. Auch aus diesem Anlass hat Frank Schirrmacher eine Vielzahl fotografischer Dokumente zusammengetragen - biographische Bahnen, illustriert. Das Sichtbarwerden eines Werdegangs ergänzt dabei die Schrift: Der Band "Sein Leben in Bildern" vervollständigt auf seine Weise Reich-Ranickis Autobiographie "Mein Leben", die im vergangenen Jahr erschienen ist.

          Im Vorwort zu "Sein Leben in Bildern" schreibt Frank Schirrmacher unter anderem: "Wer die Bilder dieses Bandes betrachtet, wird eine Ahnung davon bekommen, wie Reich-Ranicki wurde, was er ist. Und er wird spüren, was alles er eigentlich geworden ist. Die Sicherheit, mit der er, aus Polen kommend, in Deutschland sofort literarische Urteile abgab; das Selbstbewusstsein, mit dem er seinen großen Plan durchsetzte, Literatur für Leser zu befördern; die Kenntnisse, mit denen er den ganzen literarischen Betrieb verblüffte - dies alles war nur möglich, weil Marcel Reich-Ranicki, den eigenen Lebensbruch überspielend, umstandslos an die zwanziger Jahre anschloss." ("Marcel Reich-Ranicki. Sein Leben in Bildern". Hrsg. von Frank Schirrmacher. Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart/München 2000. 288 S., 286 Abb., geb., 49,80 DM.)

          F.A.Z.

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