https://www.faz.net/-gqz-6pue6

Rezension: Sachbuch : SCIENCE FACTION

  • Aktualisiert am

Verglichen mit der Lebenserwartung unserer Vorfahren, leben wir heute lange. Dennoch wären wir qua Definition keine Menschen, wenn die Sache damit erledigt wäre. Der Wunsch nach Unsterblichkeit ist ein scheinbar tief in uns verankertes Konzept. Stellt man die Frage, wie das angesichts unserer biologischen Uhr möglich sein sollte, braucht man eine Fiktion.

          1 Min.

          Verglichen mit der Lebenserwartung unserer Vorfahren, leben wir heute lange. Dennoch wären wir qua Definition keine Menschen, wenn die Sache damit erledigt wäre. Der Wunsch nach Unsterblichkeit ist ein scheinbar tief in uns verankertes Konzept. Stellt man die Frage, wie das angesichts unserer biologischen Uhr möglich sein sollte, braucht man eine Fiktion. Also Science-fiction. Jack Dann und Garner Dozois haben dazu die Anthologie "Immortals" herausgebracht.

          Sie enthält acht Geschichten, wie etwa "The Dying man" von Damon Knight. In der 1957 verfaßten Kurzgeschichte ist der Tod für die Menschen der Zukunft kein Thema mehr. Während ein Großteil der Unsterblichen als immerschöne "Player" jeden Tag aufs neue das Leben genießt, kümmern sich "Students" um den Erhalt des Status quo. Als einer von ihnen auf ungeklärte Weise erkrankt, lautet die unbekannte Diagnose: Altern. Der Tod des "Student" bringt den längst vergessenen Schatten des Morgen wieder in die Welt der Unsterblichen.

          Eine andere Form von Unsterblichkeit beschreibt Jack Vance in "The Secret" (1978): In der Lagune einer Trauminsel leben junge Menschen ein unbeschwertes Leben - kaum aber erreicht einer von ihnen ein bestimmtes Alter, verspürt er den unbändigen Drang, ein Boot zu bauen und nach Westen zu fahren. Als es auch für Rona ta Inga soweit ist, verabschiedet er sich von seinen Freunden und sticht, wie schon Unzählige vor ihm, in See. An einer unwirtlichen Küste angekommen, trifft er seltsam grau und gebrechlich aussehende Freunde wieder, die sich lange vor ihm auf den Weg gemacht haben. Auf die Frage, warum sie nicht gemeinsam zurückkehren, zeigen sie ihm ein Geheimnis: einen Toten.

          In P. J. Plaugers "Child of all ages" von 1975 schließlich ist der Preis für die Unsterblichkeit die ewige Jugend: Dank einer geheimen Mixtur ist ist die Hauptfigur Melissa etwa 24 Jahrhunderte alt, doch dieselbe Mixtur hält ihr Aussehen konstant bei 14 Jahren. Im Science-fiction-Genre bleibt der Verlust des Todes selten ohne Folgen. Wenn wir mit der Unsterblichkeit also irgendwann bekommen, wonach wir gefragt haben, muß das Ergebnis nicht unbedingt das sein, was wir ursprünglich wollten.

          Wolfgang Treß

          "Immortals" von Jack Dann und Garner Dozois (Hrsg.) erschien 1998 mit 255 Seiten bei Ace Books, New York.

          Weitere Themen

          Googles Gesetz

          FAZ Plus Artikel: Presse in Frankreich : Googles Gesetz

          Nach der Ankündigung Googles trotz der EU-Vorgaben keine Entschädigungen für Presse-Links zu zahlen, machen Frankreichs Journalisten nun mobil. Es ist von einem „Suizid der Presse“ die Rede.

          Topmeldungen

          Will nicht weichen: Baschar al Assad am Mittwoch in Idlib

          Syrien-Konflikt : Wer Schutz verspricht, muss schützen

          Seit Jahren wird über sichere Zonen in Syrien diskutiert, doch nie waren die Umstände widriger. Nato-Mitglieder zweifeln an Deutschlands Motiven – derweil spielen russische und türkische Einsatzkräfte vor Ort ihre Macht aus.
          Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow im September bei der Kartoffelernte in Heichelheim.

          Linkspartei in Thüringen : Ganz anders als gedacht

          In Thüringen führt Bodo Ramelow seit fünf Jahren die erste rot-rot-grüne Regierung. Am Sonntag will er wiedergewählt werden. Selbst ohne eigene Mehrheit könnte er im Amt bleiben.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.