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Rezension: Sachbuch : Schwarzes Israel: Mythen und Mühen des Dan

  • Aktualisiert am

          2 Min.

          Sie selbst halten sich für die Nachkommen des vergessenen jüdischen Stammes Dan, die äthiopischen Juden. Sie nennen sich Beta Israel, das heißt: "Haus Israel". Versprengt aus dem Raum und der Zeit der bekannten jüdischen Geschichte, waren sie jahrhundertelang isoliert von der Sprache, den Riten und religiösen Bräuchen ihrer sephardischen und askenasischen Glaubensbrüder und -schwestern. Die wenigen, die es in das moderne Israel verschlug, mußten lange dafür kämpfen, überhaupt als Juden anerkannt zu werden. Nachdem die Beta Israel Jahrzehnte hindurch von der offiziellen israelischen Politik gezielt ignoriert worden waren, entschieden erst in den siebziger Jahren die Oberrabbiner, daß sie "Nachkommen der israelitischen Stämme sind, die südwärts nach Äthiopien gewandert sind". Das war der späte Anfang ihrer politischen Integration.

          Heute, vier Jahre nach der spektakulären "Operation Salomon", bei der 15000 in Bedrängnis geratene äthiopische Juden nach Israel geholt wurden, treten die komplexen Ungleichzeitigkeiten zwischen ihnen und den schon länger ansässigen Israelis immer noch deutlich zutage. Die Differenzen in Kultus und Ritus wiegen vielleicht ebenso schwer wie soziale und sprachliche Unterschiede. In Äthiopien lebten die dort Falascha, Fremde, genannten Beta Israel ohne Hebräischkenntnisse und ohne den Talmud. Ihre Heiligen Schriften wurden nicht, wie etwa die Thora im restlichen Judentum, als Schriftrollen überliefert, sondern in Form von handgeschriebenen und gebundenen Büchern mit pergamentenen Seiten. Einige zentrale nachbiblische Feiertage begingen sie in Äthiopien nicht, dafür aber gab es bei ihnen noch Tieropfer und sogar ein Mönchstum - undenkbar im rabbinischen Judentum. Verständlicherweise fällt vielen von ihnen, besonders den Alten, die Akkulturation an die moderne israelische Gesellschaft schwer.

          Welche Rolle die von manchen Israelis verächtlich "di shvartzes" genannten afrikanischen Zuwanderer im komplexen Gefüge der israelischen Innenpolitik und für das jüdische Selbstverständnis spielen, wie sehr sie kämpfen müssen, um über den Status des Geduldetseins hinauszukommen, davon erzählt Richard Chaim Schneider in seinem genauen und eindringlichen Bericht über Geschichte, Mythos und Kultur der Beta Israel. Esaias Baitel fotografierte die alltäglichen und religiösen Lebenswelten der Zuwanderer in ihrer neuen Heimat und auf dem Weg dorthin. Sorfältig zeichnen seine Fotos das Bild eines anderen, afrikanischen Israel am Beginn einer neuen Zeit. Unsere Abbildung zeigt junge äthiopische Jüdinnen in einem typischen Containerdorf nach ihrer Ankunft in Israel. HANS-JOACHIM NEUBAUER

          Richard Chaim Schneider / Esaias Baitel: "Der vergessene Stamm". Die äthiopischen Juden und ihre Geschichte. Verlag Christian Brandstätter, Wien 1995. 128 S., 68 Abb., geb., 49,80 DM.

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