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Rezension: Sachbuch : Sanfte Korrektur

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Frauen und Autos

          Und es gibt sie doch, die Frauen in der Automobilgeschichte, und zwar nicht nur als Dekoration erfolgreicher Erfinder, Konstrukteure oder Fahrer. Das beweisen Susanne Vieser und Beate Gabelt ganz vergnüglich in ihrem Buch "Frauen in Fahrt". Sie haben geschürft in der maskulin dominierten Automobilgeschichte und stießen auf Spuren von Frauen, ohne die vielleicht einiges anders gelaufen wäre. Im technischen Bereich ist zwar kaum etwas zu finden. Dennoch haben die Damen schon in allererster Frühzeit ihren Anteil am Erfolg des Automobils, belegt am Beispiel von Bertha Benz: Sie hat nicht nur die erste Langstreckenfahrt mit dem selbstfahrenden Wagen unternommen, ihr Verdienst bestand auch - und viel mehr - darin, daß sie ihren Mann in seinen Plänen immer ermuntert, unterstützt und getragen hat. Wer weiß, was passiert wäre, wenn er bei ihr nicht diesen Rückhalt gefunden hätte? Direkte Spuren führen Anfang des Jahrhunderts dann zu Frauen, die als aktive Fahrerinnen in die Männerdomäne eingebrochen sind und gezeigt haben, wozu sie fähig sind. Die erste Weltreise in einem Auto hat eine Frau (Clärenore Söderström-Stinnes) im Jahr 1927 durchgestanden, deren zwei Mechaniker mittendrin entnervt aufgegeben hatten. Das Buch zeichnet 22 Lebensläufe, die irgendwie einmal das Automobil kreuzten und daran hängenblieben. Ob als Taxifahrerin, Truckerin, Baggerführerin, Rennfahrerin, Designerin oder Autolobbyistin, wenn sie wollen, können Frauen alles. Sie knien sich - wie von anderen Aufgaben her bekannt - eher noch mehr hinein, weil sie ständig unter dem Zwang zur Rechtfertigung für ihren ungewöhnlichen Job stehen. Wer traut einer Frau schon zu, ein Formel-1-Team zu managen? Alles schon dagewesen, in Gestalt von Carmen Heer-Ziegler im Sauber-Rennstall. Während Namen wie Michèle Mouton oder Ellen Lohr von der Rennszene her bekannt wurden, bleiben die Ingenieurinnen, die sich mittlerweile auch in die Entwicklungsabteilungen der Autoindustrie vorgewagt haben, meist unbekannt. Umso größer das Verdienst des Buchs, einmal zu zeigen, daß eine Frau Konzepte für neue Lastwagen erarbeiten kann (Aina Nilsson bei Volvo) oder verantwortlich für die gesamte Elektronik eines neuen Autos ist, wie die Physikerin Lorene Leilich bei Opel. Das Innendesign wurde ohnehin eine Domäne der Frauen. Die Einstellung der heutigen Kundinnen zum Auto und ihr leider immer noch geringer Einfluß auf seine Gestaltung fehlen ebenso wenig wie ein Streifzug durch die Automobilwerbung. Auch hier ging es nicht ohne Frauen, früher noch weniger als heute. Das Buch ist frei von feministischem Unterton und kann auch von ausgemachten Machos mit Gewinn gelesen werden. MONIKA SCHRAMM

          Frauen in Fahrt. Von Susanne Vieser und Beate Gabelt. Eichborn Verlag, Frankfurt, 160 Seiten, 41 Abbildungen, 39,80 Mark.

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