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Rezension: Sachbuch : Religionslehrer, kommst du nach Saarbrücken

  • Aktualisiert am

Gotthold Hasenhüttl ist seit 1974 Professor für katholische Dogmatik in Saarbrücken. Als 1963 - damals war er gerade dreißig Jahre alt - seine Dissertation "Der Glaubensvollzug" erschien, war das wie ein Hauch ökumenischen Frühlings. Der berühmte Marburger Protestant Rudolf Bultmann hatte zu dieser römischen ...

          Gotthold Hasenhüttl ist seit 1974 Professor für katholische Dogmatik in Saarbrücken. Als 1963 - damals war er gerade dreißig Jahre alt - seine Dissertation "Der Glaubensvollzug" erschien, war das wie ein Hauch ökumenischen Frühlings. Der berühmte Marburger Protestant Rudolf Bultmann hatte zu dieser römischen Dissertation ein Vorwort geschrieben, in dem er fast vollständige Einheit in den Auffassungen über den Glauben bescheinigte. Wenn man in der zentralen Frage des Glaubens schon so nahe beieinander war, dann schien die Einheit der Christen zum Greifen nahe. Nur daß alles, aber auch alles so glatt aufging, das habe ich in meinem damaligen Exemplar mit ein paar Fragezeichen am Rand vermerkt.

          Nun sind fast vierzig Jahre vergangen. Die Hermeneutik Bultmanns bestimmt noch immer die deutsche Szene, auch die katholische - wenn auch durch das Lebenswerk des katholischen Altmeisters Rudolf Schnackenburg gefiltert und schaumgebremst, aber zum Beispiel in seinen Schülern Joachim Gnilka und Hans-Josef Klauck so noch direkt zugänglich. Immerhin hatte Bultmann auch Schnackenburgs Kommentar zu den Johannesbriefen stürmisch begrüßt. Hasenhüttl ist nun in jeder erdenklichen Hinsicht bei Bultmann geblieben. Sein Lebenswerk besteht darin, den Ansatz der Entmythologisierung ohne Abstriche auf die katholische Dogmatik anzuwenden. Was dabei dann herausgekommen ist, kann man schon auf dem Titelblatt seiner zweibändigen Dogmatik erkennen: ein "Glaube ohne Mythos". Sinnigerweise hat der Verlag diesen zum Frösteln anregenden Titel mit einem stark mythischen Cover-Bild unterlegt: eine in rotem Gewölk unter- oder aufgehende Sonne. Der Mythos ist tot, es lebe der Mythos? Ob der grundlegende Mangel des gelehrten Werkes darin besteht, die mythische Struktur des eigenen Ansatzes verkannt zu haben? Dann müßte das Buch wohl heißen: ",Katholischer Glaube im Mythos der Marburger Schule".

          Schluß mit dem Gebets-Getue!

          Der Autor pflegt einen "erfahrungsbetonten" Ansatz. Das heißt: Der Maßstab für alles ist eine sinnvolle menschliche Existenz und eigentlich deren dialogische Struktur. Daher geht es bei Offenbarung und Wahrheit nicht um bestimmte Inhalte, sondern eigentlich nur darum, daß man "im Gespräch bleibt", theologischer Genscherismus, wenn man so will. Daß dabei alle liebgewordenen Konkretionen der Bibel und des kirchlichen Lebens auf ein "veraltetes Weltbild" geschoben werden, war zu erwarten. Der staunende Leser erfährt: "Wenn Jesus nie gelebt hätte", würde sich nichts ändern. An der historischen Existenz Jesu liegt vielmehr gar nichts. "Was wirklich historisch an Jesu Leben und Lehre ist, interessiert letztlich nicht." Denn nur wenn Glaube Heldenverehrung wäre, könnte das historische Faktum für ihn konstitutiv sein. Darum gehe es vielmehr: Befreiung von fixierter Lehre und von jeder Art göttlicher und kirchlicher Autorität.

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