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Rezension: Sachbuch : Privatgeister in Afrika: Die Voodoo-Religion

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          1 Min.

          Photographiert wurde ein paar Schritte vom zwanzigsten Jahrhundert entfernt, das auch in Westafrika mit allen Insignien westlicher Zivilisation gegenwärtig ist, im Küstenstaat Benin. Die Voodoo-Religion verbreitete sich von hier über karibische Zuckerrohrplantagen in afro-amerikanisches Kulturgebiet. Auf großformatigen Farbbildern zeigt der vorliegende Band in filmartigen Sequenzen Voodoosi, die ihre nackten Oberkörper mit "Djassi", einer gelben Paste aus Maismehl, Öl und Kräutern, eingerieben haben und während mehrstündiger Rituale unter glühender Sonne Zustände der Besessenheit erleben. In anderen Zeremonien tanzen sie bis zur Besinnungslosigkeit, wälzen sich im Staub oder haben sich mit Klingen bis aufs Blut verletzt, wobei sie keinen Schmerz zu spüren scheinen. Man sieht blutige Trankopfer und "Fetischzauber", dazwischen Alltagsszenen, Fischer bei der Arbeit mit ihren Netzen.

          Über den "Länderreichtum des Ich" schrieb Jean Paul und bezeichnete das "ungeheure Reich des Unbewußten" als das "wahre innere Afrika". Tiefenpsychologen sagen, das Fremde sei mit dem Eigenen verschränkt, werde immer auf die eigene Psyche bezogen, daher der Wunsch, es zu integrieren, zu domestizieren und zu kolonisieren. Eine afrikanische Version solcher Integrationswünsche ist das "Lachen der Wassergöttin" Mami Wata. In ihr sind alte Wassergeistvorstellungen mit dem Fremdgeist einer Europäerin verschmolzen. Die fröhliche Frau wird in ihren Tempeln häufig als Nixe dargestellt; Gesichter von Mami-Wata-Figuren sind stets weiß. Mami-Wata-Initiierte tragen während ihrer Riten weiße Kleider und achten darauf, daß der Tempel sauber gefegt ist, da die Meerfrau das Schöne liebt. In Trance gebärden sich ihre Anhänger wie die Gottheit selbst, pudern sich Gesicht und Brust mit Talkum, bewegen sich seltsam gespreizt und trinken Parfüm.

          Voodoo ist eine animistische Religion, eine in sich schlüssige Erklärung der Welt und des Kosmos. Natur und Naturphänomene sind danach von Göttern und Geistern beseelt, zu denen in Ekstase Kontakt aufgenommen werden kann. Niemand kann sagen, ob es 2000 oder 200000 Voodoo-Götter gibt, denn darunter sind auch etliche Privatgeister. Unsere Abbildung zeigt eine Statue des Gottes Shango, der für Blitz, Donner und strafende Gerechtigkeit zuständig ist. In der einen Hand hält er seine charakteristische Doppelaxt, in der anderen eine Schale, in der ihm Palmöl geopfert wird. BETTINA VON LINTIG.

          Henning Christoph (Fotos), Hans Oberländer (Text): "Voodoo". Geheime Macht in Afrika. Benedikt Taschen Verlag, Köln 1995. 240 S., 250 Abb., geb., 29,95 DM.

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