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Rezension: Sachbuch : Obi hat eine Kreativabteilung

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Damit jedoch ist der kritische Teil meiner Besprechung auch schon beendet. Denn was sonst auf den knapp 90 Seiten von Novak referiert wird, klingt vernünftig. Zunächst wird die Beschränktheit unseres "linearen Denkens", das auf Standardsituationen mit Musterbildungen reagiert, anhand einiger Denksportaufgaben recht pfiffig vorgeführt. "Statt linear können wir auch lateral denken", das heißt bei de Bono "quer zu den Mustern". Denn er hat erkannt: "Humor hat das gleiche Prinzip." Setzen wir Humor gleich Komik, kann ich ihm nur recht geben: "Kreativität hat sehr viel mit Humor zu tun." Um zu bestätigen, daß dieser Lehrsatz auch umgekehrt gilt, muß man nicht selbst in der Komikproduktion tätig gewesen sein. Ich weiß jedoch aus jahrzehntelanger Praxis, daß de Bonos kleine Lockerungsübungen, Reizwortspielchen und Zufallseinstiege durchaus Erfolge versprechen. Novak nennt das "Provokations- und mentale Bewegungstechniken", wobei noch zwischen "Umkehr-, Flucht- und Wunschdenken-Provokationen" fein unterschieden wird. Gradmesser der Provokation ist jedenfalls "Gewagtheit".

Es gibt immer mehr als eine Verbindung zwischen vorgegebenen Elementen, und wenn sie überraschend genug ist, wirkt sie komisch. Darauf zu kommen ist eine Frage der Zeit und der Hartnäckigkeit. "Kreativität hat insofern auch immer etwas mit Disziplin zu tun."

"Jeder Witz" bestätigt laut de Bono "die Existenz des Nebenweges". Und: "Hier liegen die neuen Ideen." Daß die Notwendigkeit abwegiger Ideen derzeit in der Unterhaltungsindustrie verkannt wird, ist wiederum eine meiner Erfahrungen, die um so schmerzlicher wird, wenn ich hier lese: "Im Geschäftsleben ist das längst anerkannt." Es versöhnt mich, wenn zugegeben wird, daß auch dort "Bedenkenträger" und "Ideenkiller" angestellt sind, die notorisch "Schwierigkeiten mit dem Neuen" haben. Altdenker dieser Art möchte de Bono nun unter "Die sechs Hüte des Denkens" bringen, die den Träger auf "paralleles" statt "kontroverses Denken" verpflichten sollen. Je nach Hutfarbe sind Information, Emotion, Judikation, Affirmation, Kreation oder Mediation angesagt, und zwar jeweils für jeden, der sich an einer Gesprächsrunde beteiligen will. Die passenden Kappen sind beim FkD im Set zu bestellen. Kostenpunkt 60 Mark.

Gewiß, das Rollenspiel klingt ein wenig nach Waldorf-Kindergarten, aber mir ist diese "Entscheidungsfindungs-Kultur" immer noch lieber, als wenn bei jedem neuartigen Gedanken alle Warnleuchter aufheulen, nur um hinterher sagen zu können, sie hätten ja rechtzeitig gewarnt. Denn auch das hat de Bono richtig erkannt: "Es besteht auch bei den besten Ideen immer ein Risiko."

Ohne dieses Restrisiko ist nichts Neues zu haben. Und eine neue Idee kann gut sein, selbst wenn es nicht die eigene ist. In jedem Fall kann eine Idee nur verbessert werden, wenn alle sie sich zumindest probeweise zu eigen machen. Wer wollte das bestreiten?

Dr. Andreas Novak sicher nicht, er kann abschließend nur staunen: "Erstaunt bin ich über die fundamentale Änderung des eigenen, aber auch des Denk- und Diskussionsverhaltens anderer . . ." Mich hat am Ende mehr gefreut, wie wenig ich an meinen Denkgewohnheiten verändern müßte, um einen Obi-Baumarkt auf Vordermann zu bringen.

"Der Charme der Methode liegt genau in der Flexibilität." Und da liegt auch der Charme de Bonos, der mit seinem Paralleldenken zwar einerseits eine "fundamentale Änderung des Diskussions-, aber auch Denkverhaltens" anstrebt, andererseits jedoch jedem alleinseligmachenden Heilsglauben abschwört und Andersdenkenden Hoffnung läßt: "Es gibt einen Platz und eine Zeit, wo dieses kritische Denken vollständig richtig und sinnvoll ist."

Ich fand, hier und jetzt durfte auch einmal etwas ganz hutwillig gelobt werden. It had to be done.

BERND EILERT

Andreas Novak: "Schöpferisch mit System". Kreativitätstechniken nach Edward de Bono. I.H. Sauer Verlag, Heidelberg 2000. 90 S., 10 Abb., br., 22,- DM.

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