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Rezension: Sachbuch : Noble Antworten

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Daß die Welt voller Rätsel ist, überrascht niemanden. Mehr schon, daß so viele Menschen denken, sie hätten die meisten und wichtigsten davon schon gelöst. Wenn man einmal über das Rätselhafte in der Welt zu grübeln beginnt, verwundert man sich bald über die nur gespielte Sicherheit, mit der wir uns im Alltag bewegen.

          Daß die Welt voller Rätsel ist, überrascht niemanden. Mehr schon, daß so viele Menschen denken, sie hätten die meisten und wichtigsten davon schon gelöst. Wenn man einmal über das Rätselhafte in der Welt zu grübeln beginnt, verwundert man sich bald über die nur gespielte Sicherheit, mit der wir uns im Alltag bewegen. Wir haben das von Kindesbeinen an gelernt, durchaus zu unserem Glück. Aber wir neigen außerdem dazu, zu vergessen, daß unsere Sicherheit nicht auf unserem eigenen Wissen beruht. Niemand wird unbarmherziger darauf gestoßen als die Eltern von Vierjährigen - was die alles fragen können! Wer soll das beantworten? Dabei handelt es sich oft um die einfachsten Fragen der Welt: "Was ist Luft?" Oder: "Warum ist der Pudding weich und der Stein hart?"

          Eltern und Großeltern raufen sich häufig die Haare wegen solcher Fragen. Also muß Hilfe her, haben sich die Redakteure des Magazins der Süddeutschen Zeitung gesagt. Sie haben Bettina Stiekel ausgeschickt, Nobelpreisträger aufzuspüren, um diese zu überreden, auf derlei Kinderfragen wissenschaftlich korrekt zu antworten. Viele willigten ein, sich an dem Projekt zu beteiligen. Bedingung war, daß die Antworten sehr, sehr verständlich auszufallen hatten. Wo das nicht gleich ging, halfen später wissenschaftsjournalistisch erfahrene Textbearbeiter ein bißchen nach.

          Herausgekommen ist eine insgesamt vergnügliche, lehrreiche, manchmal auch ein wenig betuliche Anthologie von Nobel-Antworten. Das große Vorbild aller naturwissenschaftlichen Aufklärer, der Physiklehrer Bömmel aus der "Feuerzangenbowle", bleibt unerreicht, aber die Ausbeute an chemischen, physikalischen und biologischen Grundkenntnissen ("Warum gibt es Jungen und Mädchen?") kann sich trotzdem sehen lassen. Die Nichtnaturwissenschaftler unter den Preisträgern können mit ihren Antworten auf eher großflächig formulierte Fragen ("Was ist Politik?" oder "Was ist Liebe?") nicht soviel zur Summe des Erkenntnisgewinns beisteuern, der sich mit diesem Buch auf spielerische Art anhäufen läßt. Ausnahme ist der japanische Literatur-Nobelpreisträger Kenzaburô Oe mit seinem anrührenden Beitrag zur Frage "Warum müssen wir in die Schule gehen?"

          Hervorragend eingestimmt werden die Benutzer dieses hübsch und pfiffig von Ayse Romey illustrierten Buchs durch das Vorwort von Axel Hacke. Der legt zwar die Schöpfungsgeschichte in der Bibel recht eigenwillig aus, aber er liefert damit eine schlagende Begründung für den unstillbaren Wissensdrang, der die Menschen antreibt. Möchte man wirklich, fragt Hacke, den ganzen Tag im Paradies herumlaufen und nicht einmal wissen, daß man nackt ist? Auf diese Erwachsenenfrage hätte vielleicht Kierkegaard eine passende Antwort gehabt, aber der taucht hier nicht auf. Er hat keinen Nobelpreis verliehen bekommen, nicht zuletzt deshalb, weil er schon lange tot ist.

          WILFRIED VON BREDOW.

          Bettina Stiekel (Hrsg.): "Kinder fragen, Nobelpreisträger antworten". Mit einem Vorwort von Axel Hacke. Illustrationen von Ayse Romey. Wilhelm Heyne Verlag, München 2001. 198 S., geb., 15,- . Ab 10 J.

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