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Rezension: Sachbuch : Neubewertungen erfreuen das Herz des Bordeaux-Trinkers

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Den Weinkäufern der sechziger Jahre hatte noch keiner erzählt, wie man Konsument wird: Heute gibt es Robert M. Parker

          10 Min.

          Robert M. Parkers Bordeaux-Führer läßt die Augen des Weinkenners glänzen. Für alle anderen Leser sei gesagt: Der einundfünfzigjährige Amerikaner ist der berühmteste Weinkritiker der Welt. In seiner zweimonatig erscheinenden Zeitschrift "The Wine Advocate" bespricht er Weine nach einem Hundert-Punkte-Schema. Seine Bewertungen sind zum Maßstab für Weinhändler und Käufer geworden; Weine werden heute auf Preislisten und Versteigerungen meist mitsamt der Parker-Punkte ausgewiesen. Der Einfluß des Kritikers auf den Markt ist kaum zu überschätzen: Der zuvor für zirka 150 Mark angebotene Roederer Cristal-Champagner von 1990 ist seit seiner Parker-Bewertung mit 97 Punkten nur noch für 290 Mark zu haben; ein Hundert-Punkte-Wein wird unerschwinglich.

          Parkers Hauptwerk widmet sich den Weinen der wichtigsten Châteaux im Bordelais. Erstmals hat er sein Wissen vor vierzehn Jahren in einem Buch auf knapp 550 Seiten zusammengefaßt; 1992 erschien es dann endlich auf deutsch, als Übersetzung der zweiten amerikanischen Ausgabe fast tausend Seiten stark. Nun ist unmittelbar nach der dritten amerikanischen Neuausgabe wiederum deren deutsche Übersetzung erschienen, und der Umfang hat mittlerweile 1280 Seiten erreicht. Neu enthalten sind die Bordeaux-Jahrgänge seit 1990.

          Das Kernstück des Buches besteht aus der Beurteilung der einzelnen Weine. Sie erfolgt nach Gemeinden und Châteaux getrennt, wobei eine Auflistung der einzelnen Güter mit Seitenzahlen bereits im Inhaltsverzeichnis - nicht erst im Register - hilfreich gewesen wäre. Jeder Gemeinde ist eine kurze Einführung zu den Besonderheiten ihrer Weine und eine grobe Bewertung der einzelnen Güter vorangestellt. Eine Übersichtskarte leistet gute Dienste, die "verbrauchergerechte Klassifizierung" ermöglicht einen schnellen Überblick. Die Beurteilung der Weine reicht in der Regel von 1961 bis 1997; ein kurzer Abriß über ältere Jahrgänge ist angeschlossen.

          Parker beschreibt bereits die Gebietscharakteristika so genau, daß der Leser sie bei einer späteren Probe erkennen kann. So erfährt er zum Anbaugebiet von Pomerol (knapp drei Viertel des dortigen Rebbestandes sind Merlot-Trauben), daß hier die sanftesten, mildesten, seidigsten, üppigsten und fruchtigsten Weine des Bordelais angebaut werden. Gekennzeichnet sind sie durch dunkles Rubinrot und intensiv reifes Fruchtbukett mit Anklängen von Trüffeln und Mokka. Das ist der Grund, warum diese Weine heute so beliebt sind. Wer darüber hinaus wissen will, warum sie in Belgien derzeit leicht zu finden sind, mag diesen Abschnitt lesen.

          Demgegenüber sind die Weine von Graves heute geradezu unbeliebt, obwohl Parkers erklärter Liebling, der Haut-Brion, als einziger Wein außerhalb des Médoc 1855 in die Klassifikation aufgenommen wurde. Dabei hat der Weinbau im Bordelais von Graves aus seinen Anfang genommen. Parker geht auf diese und andere Entwicklungen ein; die Geschichte jedes einzelnen Guts wird erzählt. So berichtet er etwa über die unterschiedlichen Stile des La Mission Haut-Brion und des Ausone im Laufe unseres Jahrhunderts. Auch von Aufstieg und Niedergang wird berichtet, zum Beispiel bei Angelus, Tertre-Roteboeuf, Latour à Pomerol, um nur einige heute sehr beliebte Güter zu nennen.

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