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Rezension: Sachbuch : Neubewertungen erfreuen das Herz des Bordeaux-Trinkers

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Parkers Beschreibungen der Weine selbst sind detailliert und in blumiger Sprache gehalten: ". . . dunkelrubinrot, sein ausdrucksvolles Aroma hat Noten von Rauch, Kräutern, schwarzer Frucht, Eisen, Maulbeeren und Gewürzen. Der Wein selbst ist generös und vollmundig . . .". Der Autor gibt die voraussichtliche Genußreife und das Datum der letzten Verkostung an. Trotzdem haben seine Punktewertung und die zum Teil vernichtenden Urteile viel Kritik einstecken müssen. Was aber wäre die Alternative? In Deutschland hat man mit dem Weingesetz von 1971 versucht, Qualität objektiv meßbar zu machen: Je mehr Öchslegrade, desto höher soll die Qualität sein. Das Ergebnis regt keinesfalls zur Nachahmung an: Eine Vielzahl der nach diesem objektiven Maßstab hochdekorierten Weine wie Auslesen oder gar Beerenauslesen ist im Supermarkt für sechs Mark zu haben. Eine nach dem Bewertungssystem wesentlich schlechter eingestufte Spätlese, etwa von qualitätsbewußten Erzeugern wie Dönnhoff, Müller, Haag, Prüm oder Weil, ist dagegen nicht unter zwanzig Mark zu haben. Wer die Weine im Glas vergleicht, wird nicht mehr für objektive Maßstäbe plädieren.

Dreitausend Weine werden in Parkers Bordeaux-Führer ausführlich besprochen, und allein diese Fülle läßt den Kauf für eine neue Weintrinkergeneration unerläßlich erscheinen. Bei ihr ist ohnehin derzeit vor allem Wissensdemonstration gefragt, und modische Weine werden um jeden Preis gekauft. Wer vor kurzem noch mit Begriffen wie "Barrique", "Cabernet Sauvignon" oder "Cabernet Franc" Schwierigkeiten hatte, glänzt mittlerweile in entsprechender Runde mit den Namen so bekannter Produzenten wie Petrus, Clinet oder Le Pin. Wie aber soll man vor den Mittrinkern ohne die neuesten Parker-Bewertungen dieser Weine bestehen?

Dabei sind diese Berühmtheiten in der "Szene" schon wieder passé. Die "Microvinifikationswelle", wie Parker das nennt, greift in Bordeaux um sich. Deren Kennzeichen ist die Erzeugung kleinster Mengen bei "himmelhohen, manchmal lachhaften Preisen" (Valandraud, La Mondotte). Über diese neuen Objekte der Begierde informiert Parker genauso zuverlässig wie über die Altstars. Etwas ärgerlich für manche Leser dürfte sein, daß er die Maßstäbe wieder zurechtrückt. Wer sein Buch studiert, wird bessere Weine zu einem Bruchteil des Preises der Aufsteiger finden.

Doch auch der wahre Weinbesessene hat sehnlich auf den neuen Parker gewartet. Endlich kann er die eigenen Vermerke mit dessen Bewertungen vergleichen. Parkers Bestätigung gibt Sicherheit; nur ganz abgebrühte und hartgesottene Weintrinker werden sich nicht darum kümmern. Modifikationen gegenüber den Bewertungen der Erstauflage erfreuen deshalb das Herz des Weinfreundes: Parker hat endlich eingesehen, daß der 86er Lafite und der La Mission Haut-Brion von 1989 in den Weinolymp, in die Hundert-Punkte-Klasse gehören.

Die zahlreichen Neubewertungen sind kein Anlaß für Kritik an den früheren Ausgaben. Wein entwickelt sich stetig. Kaum etwas dürfte schwieriger sein, als diese Entwicklung vorherzusagen. Parker bekennt sich offen zu Fehleinschätzungen (man vergleiche nur seine aktuelle Einschätzung der Jahrgänge 1989 und 1990) und scheut sich deshalb nicht, frühere Urteile zu korrigieren. Natürlich beibt dennoch genug Diskussionsstoff: Die 95 Punkte für den Margaux von 1995 - den vielleicht besten Wein des ganzen Jahrgangs - sind doch recht knapp bemessen im Vergleich zu vielen Weinen desselben Jahres aus St. Emilion und Pomerol, die Palmer gleich oder höher bewertet.

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