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Rezension: Sachbuch : Nach Mekka reisen, auf Abrahams Spuren

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          Zwei Millionen Menschen aus rund 160 Staaten versammeln sich alljährlich in der im Südwesten der Arabischen Halbinsel gelegenen Stadt Mekka zum gemeinsamen Gebet. Mekka gilt ihnen wegen der Kaaba als die heiligste Städte des Islam. Nicht-Muslime kennen die alljährliche Pilgerfahrt, "Hadsch", nur aus dem Fernsehen, ist ihnen doch der Zutritt zu den Städten Mekka und Medina verwehrt. Ohne Unterstützung der saudischen Regierung wäre es wohl selbst für den gläubigsten Muslim unmöglich, die bunten Facetten dieser Wallfahrten mit einer Kamera einfangen zu wollen. Die meisten Pilger reagieren erbost, wenn sie, nur mit einem weißen Gewand bekleidet, von einer Kamera abgelichtet werden sollen.

          Der japanische Fotograf Kazuyoshi Nomachi - er wurde mit dem japanischen "Best New Photographer Award" ausgezeichnet - konvertierte zum Islam, um die Pilger an den heiligen Städten in Saudi-Arabien besuchen zu können. Sein Bildband "Mekka" ist ein einzigartiges Dokument der Stationen des "Hadsch". Während dieser alljährlichen Pilgerzeit sind Mekka und Medina "haram", also heilige Bezirke, in denen jegliche Auseinandersetzung und Streit verboten sind. Menschen aus den unterschiedlichsten Teilen der Welt sollen dann friedlich vereint im Gebet einen der wichtigsten Momente ihres Lebens genießen können. Nomachi findet noch im größten Gedränge des kilometerlangen Menschenstaus Augenblicke der Ästhetik.

          Yeyyed Hossein Nasr, der heute an der Washingtoner Georgetown Universität das Institut für Islamstudien leitet, hat mit seinen Texten aus diesem faszinierenden Fotoband eine spannend geschriebene Lektüre gemacht, die auch Nichtmuslime in ihren Bann ziehen dürfte. Nasr erklärt anschaulich, warum aus islamischer Sicht Mekka, die Kaaba und die Umgebung der heiligen Stadt in enger Verbindung zum Ursprung der Menschheit und der Geschichte des Islams stehen, die für Muslime - über eine Kette von Propheten - bei Adam beginnt. Abraham ("Ibrahim" in arabischer Sprache) soll die Kaaba einst als Zeichen seines unerschütterlichen Glaubens an den monotheistischen Gott erbaut haben.

          Die Kaaba gilt seit dem Propheten Muhammad den Muslimen als der uranfängliche Tempel, als zentrales Kulturobjekt der "Hadsch" und als Orientierungspunkt der "Kibla" genannten Gebetsrichtung. Aus muslimischer Sicht bedeutet die Pilgerfahrt, zu den eigenen Ursprüngen zurückzukehren. Jeder Muslim der Welt - gleich ob er in Indonesien, Mauretanien oder Bosnien lebt - sieht sich über die Kaaba mit seinem eigenen Ursprung und auch dem Urspung der Menschheit verknüpft. Sie ist für ihn auch ein irdisches Spiegelbild des himmlischen Tempels, der den Thron Gottes umgibt. Deshalb wendet ein jeder Muslim zu den täglichen fünf Gebetszeiten sein Haupt in Richtung der Kaaba. Nomachi und Nasr haben die Rituale des Hadsch mit großem Einfühlungsvermögen eingefangen. Unsere Abbildung zeigt das Gebet auf dem "Gnadenberg". UDO ULFKOTTE

          Ali Kazuyoshi Nomachi: "Mekka". Die heiligen Stätten, die Landschaft, die Gläubigen. Verlag Frederking & Thaler, München 1997. 192 S., Abb., geb., 98,- DM.

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