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Rezension: Sachbuch : Mit geknicktem Kopfkissen

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Kant ist ja selber schuld: Klaus Heinrich führt die Psychoanalyse in den ödipalen Aufstand

          4 Min.

          "Anfangen mit Freud" lautete ein Vortrag, den Klaus Heinrich 1989 auf einer Tagung der Deutschen Psychoanalytischen Vereinigung über "Das Erbe Sigmund Freuds in Deutschland - 50 Jahre nach seiner Vertreibung" hielt. Mit diesem Titel war so etwas wie Heinrichs Lebensformel ausgesprochen, der Basso continuo seiner ganzen religionsphilosophischen Arbeit. Zudem benannte die Formel einen der Impulse, die zur Gründung der Freien Universität Berlin führten und sich in ihrer Geschichte immer wieder bemerkbar machten, um schließlich in der antiautoritären Protestbewegung zu kulminieren. Freud wurde nicht in erster Linie als eine wissenschaftliche Autorität, als eine Vaterfigur angesehen, sondern als Bundesgenosse für das existentialistische Unbedingtheitspathos in Anspruch genommen. Mit Freuds Zivilisationskritik hoffte man, den Protest gegen Konformismus jeglicher Couleur in eine konkretere Gestalt bringen zu können.

          In einer Situation, in der man am Autonomieanspruch einer Aufklärung festhalten wollte, deren idealistische Begründung verlorengegangen war, verfiel man zwangsläufig auf den Existentialismus. Dabei konnte der existentialistisch und zugleich radikal demokratisch Denkende von Freud einen Umgang mit Erfahrung lernen, der über die abstrakten Postulate des Existentialismus hinausführte. Dies zeigte Heinrich, dies repräsentiert er selbst. In seiner theoretischen und hochschulpolitischen Arbeit folgte er der Maxime: Die Psychoanalyse solle zwar an die Universität, aber möglichst als eine Matrix, ein Wirbelpunkt in vielen Fächern. Sie einzig an einem bestimmten Institut zu etablieren, würde sie unschädlich machen.

          Die jetzt in der Reihe der Dahlemer Vorlesungen von Hans-Albrecht Kücken - wie immer umsichtig und akribisch - herausgegebene "Psychoanalyse" benennt schon in ihrem vollständigen Titel deutlich, worum es Klaus Heinrich geht: Vom "Problem des konkreten gesellschaftlichen Allgemeinen" zu handeln war vor fünfundzwanzig Jahren ein großes Plädoyer dafür, daß man Sozialwissenschaften ohne Psychoanalyse nicht zureichend betreiben könne. Diese These traf ins Zentrum der Erregungen einer enttäuschten Studentenbewegung.

          Mit ihr geriet Heinrich in Konflikt mit dem marxologischen Positivismus einer antikapitalistischen Sozialwissenschaft, der es ausreichend schien, den Kapitalismus in seinen aktuellen Erscheinungsformen zu beseitigen, um das Reich der Menschengüte einzurichten. Demgegenüber bestand für Heinrich das konkrete gesellschaftliche Allgemeine der Psychoanalyse einerseits in einem als "Agentur", als gesellschaftliche Vermittlungsinstanz aufgefaßten Ödipuskomplex. Deren Mythologie aufzuklären hielt er für gesellschaftswissenschaftlich relevanter als irgendwelche Veränderungen aktueller kapitalistischer Wertformen. Zum anderen verortete er jenes Allgemeine in der "Redemacht" des Symptoms, das nie auf eine private Biographie reduziert werden kann, sondern in der Art, wie es ältere und zum Teil älteste Konflikte der Gattung weitertransportiert, Auskunft über die Gesellschaft erteilt.

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