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Rezension: Sachbuch : Max Liebermanns malerisches Gartenreich

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          1 Min.

          Im Spätwerk des Berliner Secessionisten Max Liebermann nehmen die Darstellungen des ab 1910 alljährlich genutzten Sommersitzes am Großen Wannsee einen besonders breiten Raum ein. Durch ihren sonnenflirrenden Duktus stilistisch dem französischen Impressionismus verpflichtet, wurden die mit Lust und Laune gemalten Naturpanoramen ihrem Schöpfer zu durchaus ansehnlichen Preisen gleichsam aus den Händen gerissen. Unter den über zweihundert nachweisbaren Gemälden, Pastellen und Zeichnungen des Liebermannschen Gartenreiches ist nur ein Bruchteil in den Besitz von Museen gelangt. Das beliebte Sujet, nicht selten von jüdischen Bürgern erworben, gelangte durch deren Vertreibung aus Deutschland zu großen Teilen ins Ausland und ist in vielen Fällen nur noch durch Fotografien nachweisbar. Vor den für Berlin, Hamburg und Wien geplanten Ausstellungen zum 150. Geburtstag des Malers, den es am 20. Juli zu feiern gilt, legt die Publizistin Anna Teut einen feuilletonistisch kommentierten Bildband vor. "Max Liebermann - Gartenparadies am Wannsee" zeichnet die wechselvolle Geschichte des seit 1972 von einem Tauchclub genutzten Hauses und Grundstückes in der einstigen Berliner Villenkolonie nach. Die im Lauf eines halben Jahrhunderts weitgehend zerstörte ursprüngliche Fassung des von Blütenrabatten, Hecken und einer weiten Rasenfläche geprägten Gartens, dessen Gestaltung auf die Reformvorschläge des Hamburger Kunsthistorikers Alfred Lichtwark zurückgeht, spricht über die Totalen und die Details an, mit denen Liebermann seine Sommerresidenz bis in die späten zwanziger Jahre hinein festhielt. Das Buch plädiert für die Wiederherstellung des verlorenen Gartenparadieses und die Einrichtung einer Gedenkstätte nach dem Muster von Claude Monets Gartenkomposition in Giverny. Unsere Abbildung zeigt die vor wenigen Wochen von einem Privatsammler ersteigerte "Birkenallee im Wannseegarten nach Westen" (1918) aus der Schweinfurter Sammlung Georg Schäfer, die im Verzeichnis der abgebildeten Werke den Vermerk "Standort unbekannt" trägt. (Anna Teut: "Max Liebermann - Gartenparadies am Wannsee". Prestel-Verlag, München 1997. 112 S., 104 Abb., geb., 68,- DM.) C.B.

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