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Rezension: Sachbuch : Leuchtkugeln, Lampenschirme, Lichtreflexe

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Nicht alles, was fliegt, ist eine Untertasse, vermutet Werner Walter

          "Einige Minuten vor 0:30 Uhr wurde ich durch einen stechenden Schmerz an der Wirbelsäule hellwach. Ich holte mir sofort eine Schmerztablette und begab mich wieder zu Bett. Meine Ehefrau ist zum selben Zeitpunkt wach geworden, als wir plötzlich ein hellsummendes Geräusch vom Himmel kommend hörten. Nach ca. drei bis vier Sekunden verstärkte sich das metallische, wie von einer Zentrifugalkraft getriebene helle Getöse, und das unbekannte Flugobjekt blieb in ca. zehn Metern Höhe in östlicher Richtung - in einem Winkel von 60 Grad - über unseren Schlafzimmer-Rundumfenstern stehen!"

          Waren da Außerirdische in einer liegenden Untertasse gekommen, um Informationen über das Leben der Erdenmenschen zu sammeln? Alles Unsinn, meint dazu Werner Walter, Mitbegründer des Cenap ("Centrales Erforschungs-Netz außergewöhnlicher Himmelsphänomene") in dem Buch "UFOs - die Wahrheit". Die meisten Ufos, was nichts anderes bedeutet als unidentifizierte Flugobjekte, ließen sich bei sorgfältiger Überprüfung der Fakten in identifizierte Flugobjekte (Ifos), also natürlich erklärbare Phänomene, umwandeln. Nur ein kleiner Restsatz von Sichtungen sei nicht identifiziert, aber das seien keine Ereignisse, die von glaubwürdigen Zeugen gemeldet worden wären.

          Vom Spuk bleibt nichts übrig

          Die Einschätzung Walters klingt ein wenig überheblich - auch die Ufo-Sichtungen von Piloten oder Astronomen bleiben bisweilen mysteriös. In einem anderen Punkt hat der Autor zweifellos recht: Nicht alle Ufo-Meldungen sind gezielte Täuschungsmanöver. Auch seriöse Zeitzeugen haben schon Ufos gesehen, oft aber nur über ihren subjektiven Eindruck berichtet, der den objektiven Befund dann verschleierte.

          Als Beispiel dafür nennt Walter die vielen zum Himmel gerichteten Disco-Scheinwerfer, die häufig für fliegende Untertassen gehalten werden. Von ihnen sind nämlich häufig nur die Lichtreflexe zu sehen, die sie an Wolken hervorrufen. Es scheint dann, als bewegten sich Raumschiffe auf den verrücktesten Bahnen über den Himmel.

          Typisch dafür, wie Ufo-Geschichten entstehen, ist der Fall Mantell. Am 7. Januar 1948 jagte der Pilot Thomas Mantell über Fort Knox einem angeblichen Ufo nach und stürzte dabei tödlich ab. Zunächst glaubte man, es hätte sich um einen Ballon gehandelt, doch an diesem Tag war kein Ballon in der Nachbarschaft aufgestiegen. So schrieb man das Leuchtphänomen kurzerhand dem hellen Planeten Venus zu, was aber nicht befriedigend war. Erst Jahrzehnte später wurde der Fall bei einer erneuten Überprüfung gelöst. Nicht am 7., sondern schon am 6. Januar 1948 war von Camp Ripley in Minnesota ein Ballon aufgestiegen, der von der Stratosphäre aus die kosmische Strahlung messen sollte. Er hatte, als er mit einer fliegenden Untertasse verwechselt wurde, siebenhundert Meilen Distanz hinter sich gebracht.

          Für Verwirrung sorgten eine Zeitlang auch rätselhafte Lichterscheinungen, die 1990 und 1991 in der Gegend von Greifswald beobachtet wurden. Leuchtende Kugeln, die scheinbar regungslos am Himmel standen. Ganz plötzlich verschwanden sie wieder. Waren es Beobachter von fernen Planeten in ihren Raumschiffen gewesen? Auch in diesem Fall ist von dem Spuk nichts übriggeblieben. Es waren von Kriegsschiffen in der Ostsee hochgeschossene Leuchtkugeln, die einzeln am Himmel aufflammten und gemächlich an Fallschirmen herabschwebten. Sie dienten als Übungsziele für Boden-Luft-Raketen. Solche "Kriegsspiele" sollen in der fraglichen Region nichts Ungewöhnliches sein.

          Der Autor führt in dem Buch zahlreiche Fälle an, in denen Ufos zu Ifos wurden, und liefert damit eine nützliche Materialsammlung für alle, die selbst einmal ein Ufo sehen. Er schildert, wie schwierig es sein kann, die angebliche Begegnung mit einem Raumschiff zu widerlegen, weil bei manchen Zeugen die Erinnerung durch ein festumrissenes ufologisches Weltbild gewandelt und verfälscht wird. Auch warnt er davor, "Videobeweise" zu ernst zu nehmen. Oft werden nämlich später für fliegende Untertassen gehaltene Lichter erst in den Videokameras durch Störungen im Lichtgang erzeugt.

          Die Darstellung Walters wäre allerdings überzeugender gewesen, wenn man nicht ständig den Eindruck gewinnen müßte, der Autor erkenne nur sich selbst als objektiven Richter an. Er neigt dazu, anderen die Kompetenz zur Aufklärung von Ufo-Phänomenen abzusprechen, auch wenn er in einigen Fällen recht haben mag. Ärgerlich sind seine sprachlichen Entgleisungen ins Englische, wenn er zum Beispiel die spanische Gendarmerie (Guardia Civil) als "Civil Guard" bezeichnet oder das Luftschiff als "Airship". GÜNTER PAUL

          Werner Walter: "UFOs - die Wahrheit". Heel Verlag, Königswinter 1996. 336 S., Schwarzweißabb., geb., 39,80 DM.

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